Status
Findet planmäßig statt
Zum Kalender hinzufügen

Der Transhumanismus strebt primär die Optimierung, ja die Überwindung, des menschlichen Körpers nach heutigem Verständnis an. Durch Investmentkapital zusätzlich beschleunigt, zählen für diese Ideologie u.a. Genetik, Bio-Ingenieurwesen, künstliche Intelligenz, Prothetik, Kryonik (Eiskonservierung von Körpern) als Kerntechnologien. Positiv ausgedrückt, soll die humane Species „ermächtigt“ werden: mehr Leitungsfähigkeit, bessere Sinne, höhere und ortsunabhängige Intelligenz, keine Krankheiten und kein Altern mehr. Die idealisierten Humanoiden sind demzufolge unsterbliche „Über-Subjekte“. Deren zukünftige Verwandtschaft zum aktuellen Homo Sapiens verbleibt (noch) spekulativ. Ohne Frage, als Zielobjekt des Transhumanismus steht der humane Körper fundamental im Zentrum unseres Jahresthemas  2026: TRANSHUMAN .

Daher präsentiert der KVG in der zweiten Solo–Ausstellung Being Flesh von Roy Köhnke einen Künstler, der sich explizit mit der aktuellen wissenschaftlichen Erfassung und den sozialen Leitbildern des menschlichen Körpers facettenreich auseinandersetzt: Welche Vorstellung vom menschlichen Körper wird eigentlich in der heutigen Gesellschaft vertreten und wie wird dementsprechend mit Körpern verfahren? Und was macht das mit unserer Erfahrung von Körperlichkeit an sich? 

PROGRAMM
 

Vernissage
Sa, 30. Mai ab 17 Uhr
Wilkommensreden und Einführung in die Ausstellung
Der Künstler und der Kurator werden vor Ort sein
geöffnet bis 20 Uhr, der Eintritt ist frei

Laufzeit
31. Mai – 26. Jul 2026
Di – So 11 – 17 Uhr

Sonntagstour mit Joos Ziegler
So 7. Jun / So 21. Jun / So. 29. Jun
jeweils um 15 Uhr
 

Die große Finissage
So 26. Jul 2026 14 – 19 Uhr
geöffnet bis 19 Uhr (Eintritt frei) mit
15 – 16 Uhr
Führung
„Walk and Talk“ – durch die Ausstellung mit dem Kurator Stephan Klee in Deutsch und Englisch
17 – 18 Uhr
Ausstellungsgespräch
Mit Roy Köhnke, Stephan Klee und Special Gast
18 Uhr
Ausklang 

Typischerweise erleben wir den menschlichen Körper auf ganz intuitive Weise. Erst wenn
etwas in ihm nicht mehr richtig funktioniert werden wir uns über die Tätigkeiten unseres Körpers
wirklich bewusst. Ein gebrochener Arm ist schmerzhaft. Erst ein Röntgenbild gibt diesem Schmerz
jedoch „objektive“ medizinische Validierung und integriert ihn damit in ein wissenschaftliches
System. Die Medizin versieht ihn mit einer Diagnose, schafft Linderung und sorgt letztlich für
Heilung.
Die Körper die Roy Köhnke zeigt bedürfen keinerlei Heilung. Was sie den Besuchern und
Besucherinnen ermöglichen ist dafür eine quasi-therapeutische Neubetrachtung von
Körperlichkeit und davon wie „objektives Wissen" über Körper gewonnen, konstruiert und
verbreitet wird.
Besuchende erfahren Köhnkes Skulpturen auf mehrerlei Ebenen: Als „im Fleische“ gezeigte
Körper, also die Skulpturen als solches; durch die kernspintomographischen Scans, die auf eine
dünne Membran projiziert werden; aber auch akustisch durch eine begleitende Soundinstallation.
Vor dem Aufbegehren moderner Technologie und Wissenschaft existierte die Anatomie an
der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Man denke nur an Leonardos anatomische
Zeichnungen. Roy Köhnke knüpft somit an eine tiefe und klassische Tradition an, formuliert sie
aber auf kritische und moderne Weise.
Körper konstituieren sich entlang unterschiedlicher Diskurse, seien sie sozial, historische
oder auch technologisch. Der Körper ist immer aus einer Perspektive gesehen. Und das auch in
unserem hoch-technologisiertem Zeitalter. Was der Kernspintomograph „sieht“ ist nicht neutral
oder objektiv. Das Bild des Kernspintomographen entsteht durch das Oszillieren von
Wasserstoffatomen, wie man sie eben in Gewebe findet. Diese Vibrationen werden dann durch die
bildgebenden Verfahren der Maschine sichtbar gemacht.
Über einen Forschungsstipendium Köhnke hatte die Möglichkeit sich mit dieser Maschine
zu beschäftigen und die kostspieligen Scans durchzuführen. Sein laufendes Projekt Bulk Flesh
Studies bedurfte zwei Jahre Vorbereitungszeit. Um kreativ mit der Maschine zu arbeiten musste er
sich in die Maschine einfühlen und verstehen was sie sieht und was nicht. Dies eröffnete einen
Blick auf Materialität der uns Menschen sonst versperrt bleibt. Dieser Einsatz von mechanischen
Augen macht Roy Köhnke zu einem beispielhaften Vertreter des Jahresprogramms, welches
unterschiedliche Positionen in derlei Fusionen von Mensch und Maschine zusammen bringt.
 

Eintrittspreise
0-3 Euro
Preisinformationen

€ 3,00 / € 1,50 (ermäßigt)
Gäste bis 18 Jahren und Studierende frei
Vernissagen und Finissagen frei

Veranstaltungsort

Veranstaltungsort

Altes Rathaus Göttingen

Ort der Begegnung inmitten der Stadt

Adresse

Altes Rathaus Göttingen
Markt 9
37073 Göttingen
Deutschland

Address location
Art der Veranstaltung
Vor Ort

Veranstalter:in

Veranstalter:in

Weitere Termine

Weitere Termine

Galerie