Peter Funk und die Göttinger Gitarrennacht

Ein fester Termin im Kalender

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Werner Lämmerhirt, Klaus Weiland, Ulli Bögershausen, Jens Kommnick, Ian Melrose, Jaques Stotzem, Franco Morone, Eric Lugosch, Susan Weinert, Jule Malischke, Claus Boesser-Ferrari, Daniel Stelter und Peter Finger. Das klingt wie ein Namensregister aus einem Akustik-Gitarren-Lexikon. Eines haben alle gemeinsam: Sie haben bei der Göttinger Gitarrennacht gespielt, die Ende September 2025 bereits ihre 23. Auflage erlebt. Bei jeder einzelnen war auch Peter Funk aus Göttingen dabei – als Gitarrist und als Veranstalter einer Reihe, die mittlerweile ein fester Termin am letzten September-Wochenende ist. Kaum zu glauben, dass die Gitarrennacht heute das Werk eines Einzelnen ist: Peter Funk

Wie kam es dazu und wie ist es möglich gewesen, dieses Format über so lange Zeit mit Leben zu füllen und auch selbst als Musiker dabei zu sein? Darüber gibt Peter Funk im Gespräch Auskunft und beschreibt seine anhaltende Liebe zur Gitarre und seine Begeisterung für die Musik.

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Plakat der 23. Göttinger Gitarrennacht
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Peter Funk

Geboren wurde Peter Funk 1966 in Hameln. Seine Eltern lebten damals in Bodenwerder. Durch eine berufliche Veränderung seines Vaters zog die Familie kurze Zeit später nach Herrenberg im Schwarzwald. Nachdem sein Vater bei einem Unfall gestorben war, zog Peters Mutter mit ihren beiden Kindern nach Clausthal-Zellerfeld zurück zu ihren Eltern, die im Krieg aus Ostpreußen flohen und in Clausthal-Zellerfeld blieben. So erlebte Peter Funk seine Kindheit und Jugend im Harz. Hier ging er zur Schule, leistete seinen Zivildienst ab und hier entdeckte er die Gitarre, lernte das Gitarrenspiel und seine Begeisterung für die Musik wuchs.

Zur Gitarre kam er mit 13 Jahren in der Schule. Aus Frankfurt zog ein neuer Schüler nach Clausthal zu. Christian saß in der Klasse neben ihm und wurde sein bester Freund. Er konnte Gitarre spielen und brachte es Peter bei. „Blue Suede Shoes“, der bekannte Rockabilly-Song in der Version von Elvis, war das erste Stück, das er lernte. Ein anderes Ereignis hatte Folgen: Als Elvis Presley 1977 starb, kaufte seine Mutter eine Langspielplatte von Elvis, die rauf und runter gehört wurde. Da war Peter 11. Auch heute noch geht für ihn fast nichts über Elvis.

Mit seinem Schulfreund Christian und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Tim wurde die erste Band gegründet. Einflüsse waren die Beatles, Dylan, die Blues-Ikonen wie Sonny Terry & Brownie McGee und natürlich Elvis. Der Stil zunächst: Elektrischer Blues. 1984 folgte dann mit einem anderen Freund, Frank Dirschner, eine Bluegrass-Band. Ende der Achtzigerjahre entstand die Band „Swamp Music“ mit Southern Rock. Diese Gruppe tritt auch heute noch hin und wieder bei besonderen Anlässen auf, allerdings nicht mehr in der Originalbesetzung. 

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Peter Funk mit einer Resonmatorgitarre
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Peter Funk mit einer seiner Resonmatorgitarren

Eine weitere musikalische Station war die Country Band „Tennesse Five“, aus der später die „Slow Horses“ hervorgingen. Seit mittlerweile rund 20 Jahren ist die Gruppe „Front Porch Picking“ mit Bluegrass, Blues, Swing und hawaiianischer Musik sein erfolgreiches Band-Projekt. Eine Gruppe, wie es sie in dieser breiten musikalischen Ausrichtung wohl selten gibt in Deutschland. Die Band hat sich stets weiterentwickelt, mehrere CDs und eine Platte aufgenommen und ist bei ihren zahlreichen Auftritten ein gefragter Live-Act. Außerdem ist Peter Funk gelegentlich mit seinem Bruder Tim, einem großartigen Sänger und Mundharmonika-Spieler, im Duo als die „Wahren Blues-Brothers“ zu hören. Da greifen sie mit ihrem Programm tief in die große Kiste mit traditionellem akustischem Folk-Blues und Gospel.

Fasziniert haben Peter Funk schon von früh an verschiedene akustische und elektrische Gitarrentypen, ganz besonders Resonator–Gitarren und die spezielle Slide-Gitarren-Spieltechnik mit einem Metallstab, dem Steel-Bar. Mittlerweile ist er ein Experte auf diesem Gebiet, hat Lehrbücher dazu geschrieben und aufgrund seiner gefragten Musikalität bei zahlreichen Produktionen anderer Künstler als Studiomusiker im Stockfisch-Tonstudio Northeim immer wieder für den passenden Slide-Gitarren-Sound gesorgt, beispielsweise bei dem englischen Singer / Songwriter Allan Taylor. Seit Jahren spielt Peter Funk neben den verschiedensten Gitarren auch Mandoline und Ukulele. Für die Ukulele hat er auch Lehr- und Spielbücher veröffentlicht.

Alles hat sich gefügt. Eigentlich wollte Peter Funk schon immer Musik machen und davon leben können. Es kam aber anders und heute meint er: „Das ist wohl auch gut so“. Die Musik hat ihn trotz Geografie- und Völkerkunde-Studium in Marburg und Göttingen nie losgelassen. Wichtig auch: Beruf und musikalische Aktivitäten lassen sich gut vereinbaren. 

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Herbert Wegener und Peter Funk
Alle Rechte vorbehalten Uli Hunaeus

Herbert Wegener und Peter Funk

Funk & Wegener

Eine wichtige musikalische Begegnung ergab sich zufällig im Jahr 2000. Nach seinem Abschied aus der Country-Band „Slow Horses“ sah er bei einem Konzert in Nörten-Hardenberg erstmals den Gitarristen Herbert Wegener zusammen mit einem Mundharmonika-Spieler, und nun nahm alles seinen guten Lauf. Herbert Wegener hatte in Hamburg klassische Gitarre studiert und lebte seit kurzem in Göttingen. Er spielte aber auch Stahlsaiten-Gitarre und Slide-Gitarre. „Das hat sofort gepasst“, sagt Peter Funk. Die beiden hatten eine erfolgreiche Zeit, produzierten einige CDs und harmonierten bestens. Wer weiß, was daraus noch alles hätte werden können, wenn Herbert Wegener nicht krank geworden wäre und im Oktober 2023 viel zu früh starb.

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Blick in den menschengefüllten Rathaussaal Göttingen
Alle Rechte vorbehalten Jan Vetter

Impression von der 10. Göttinger Gitarrennacht

Die Gitarren-Nächte

Als Peter Funk und Herbert Wegener sich vor rund 22 Jahren vornahmen, im Alten Rathaus in Göttingen eine Gitarrennacht zu organisieren, wollten sie eigentlich nur für ein Konzert einmal einen etwas größeren Saal bespielen und dabei nicht nur selbst auftreten, sondern den Abend mit weiteren Musikern aus der Region gestalten. „Dem Nachwuchs aus Göttingen eine Chance“ war das Motto. Es war das erste Projekt von Funk & Wegener als Veranstalter. Dass daraus ein neues Veranstaltungsformat in Göttingen werden würde, war nicht geplant. 

In der ersten Göttinger Gitarrennacht Ende September 2003 traten Rinaldo Eisel & Marcel Ott, Eugen Beidinger und die Gastgeber und Veranstalter Peter Funk & Herbert Wegener auf. Regional ausgerichtet war auch noch die zweite Gitarrennacht im September 2004. Neben den Gastgebern spielten „ZweierBop“ und „Ritmo Flamenco“. Trotz zunächst weitgehend unbekannter Namen funktionierte das Konzept. Der Zuspruch war groß, sicher auch durch persönliche Werbung über die Beteiligten und deren Freunde. Schon im folgenden Jahr dann der erste bekannte Name: Der Italiener Franco Morone war erstmals zu Gast. Ab da sollte bei jeder Gitarrennacht „ein Zugpferd“ dabei sein. 

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Herbert Wegener und Peter Funk
Alle Rechte vorbehalten Jan Vetter

Herbert Wegener und Peter Funk bei der 10. Göttinger Gitarrennacht im Jahr 2012

Danach standen in den folgenden Jahren neben lokalen Künstlern immer auch namhafte, teilweise auch international renommierte Gitarristinnen und Gitarristen auf dem Programm. Das bewährte Konzept: Es treten jeweils verschiedene Künstler, Solisten oder auch Duos auf, und am Ende jeder Gitarrennacht spielen die Gastgeber selbst: Viele Jahre Funk & Wegener als Duo und heute Peter Funk. Zum Abschluss kommt es regelmäßig zu spannenden, oft erstmaligen Begegnungen auf der Bühne.

Bis 2017 war die Gitarrennacht ein Duo-Projekt von Peter Funk & Herbert Wegener. Ab 2018 konnte Herbert Wegener aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dabei sein. Seitdem stemmt Peter Funk die Gitarrenacht allein und betont im Rückblick auf all die Jahre: „Besonders stolz bin ich darauf, dass wir die Gitarrennacht mit den geforderten Einschränkungen auch in den Corona-Jahren beibehalten und durchgezogen haben.“ Die Göttinger Gitarrennacht dürfte übrigens wohl die einzige Veranstaltung dieser Art sein, die über keine eigene Internetseite verfügt. Und sie ist bis heute eine reine Privatinitiative ohne Verein oder Organisation im Hintergrund. Auch das gibt es so wohl kein zweites Mal.“

Am 27.09.2025 um 19:30 Uhr geht im Alten Rathaus Göttingen die 23. Göttinger Gitarrennacht über die Bühne. Dabei sind diesmal die Französin Claire Besson, Gottfried Gfrerer aus Österreich und natürlich Peter Funk selbst. Peter Funk hat bei seinen Planungen für die Gitarrennacht immer von Jahr zu Jahr gedacht und gehandelt. Ende Dezember des nächsten Jahres kann Peter Funk seinen 60. Geburtstag feiern. Wahrscheinlich wird er dann auf die 24. Göttinger Gitarrennacht im September 2026 zurückblicken können. Und hoffentlich für 2027 das 25-jährige Jubiläum planen. Es wäre ihm, uns und seiner so erfolgreichen Reihe zu wünschen. 

Verfasser:in

Klaus Hoheisel

Kulturveranstalter und Autor im kulturis-Magazin

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Im Artikel genannt

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Bilder der drei auftretenden Künstler:innen Gottfried Gfrerer, Claire Besson und Peter Funk
Konzert

23. Göttinger Gitarrennacht

Claire Besson, Gottfried Gfrerer & Peter Funk

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Blick auf das Recording-Studio im Stockfisch-Tonstudio
Backstage

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Klaus Hoheisel
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