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Wenn man aus dem südlichen Landkreis Northeim über die sich durch die Landschaft schlängelnden kleinen Straßen in dem überschaubaren Bad Gandersheimer Dorf Heckenbeck ankommt, ist kaum zu glauben, dass hier eine „Weltbühne“ sein soll. Und doch: Was einmal eine Dorf-Gaststätte war, ist seit rund 25 Jahren die „Weltbühne Heckenbeck“. Diese so besondere Kulturstätte auf dem Land in dem sehr besonderen Dorf hat in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Anja Kreyer ist für die Programmkoordination und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie erzählt die wunderbare Geschichte, wie die ehemalige Dorf-Gaststätte zur Bühne wurde, mit der verwegenen Idee, der neuen ländlichen Kulturstätte den Namen „Weltbühne“ zu geben.

Die Weltbühne in Heckenbeck, das Herzstück des Vereins „KuK – Verein für Kunst & Kommunikation e.V.“ ist mehr als nur ein Veranstaltungsort in dem kleinen 500-Menschen-Dorf in der Nähe von Bad Gandersheim. Es ist ein lebendiger Treffpunkt, an dem die kulturelle Vielfalt der Region und dieses bemerkenswerten Ortes auf faszinierende Weise zum Ausdruck kommt. 

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Seit 25 Jahren

Die Vereins-Geschichte der Weltbühne Heckenbeck beginnt Anfang 2000. Eigentlich angefangen hat alles aber schon einige Jahre vorher und ist untrennbar verbunden mit dem Namen von Elisabeth Möller und ihrer Bühnenfigur „Lila Luder“. Elisabeth Möller, heute seit mehr als 40 Jahren auf und hinter der Bühne kreativ, ging Ende der neunziger Jahre der Traum von einem alten Haus nicht mehr aus dem Kopf: „Ich wurde heimgesucht von Bildern. Ich sah immer Menschen, die aus dem leeren Gasthaus Zur Linde herausschauten. Also mussten ja welche drinnen sein. Und wenn nicht, dann fehlte also etwas.“ 1995 zog Elisabeth Möller auf der Suche nach einer Probebühne für ihr Kabarett nach Heckenbeck. Mit Theo Petzold und Susanne Schwinn, die an Gesundheitsvorträge und Workshops für Frauen dachten, fand sie interessierte Verbündete. Von der Idee eines Kulturzentrums begeistert, kam Anita Heerdum dazu.

Anfang 2000 taten sich die unerschrockenen, zugezogenen Heckenbeckerinnen zusammen und kauften das Gasthaus „Zur Linde“ mit seinem Saal mit einer Kapazität für knapp 100 Menschen. Aus späterer Sicht war das wirklich Idealismus und ein wenig blauäugig, erinnert sich Elisabeth Möller im Rückblick. Es gab natürlich viele Hürden, angefangen vom Brandschutz über die Erneuerung der Heizung und der Fenster im Saal. Unterstützung bekamen die Weltbühnen-Initiatorinnen 2001 durch die Gründung des Vereins „KuK – Verein für Kunst & Kommunikation in Heckenbeck“.

 

Im Programm der Weltbühne fanden sich zunächst Künstlerinnen und Künstler aus dem Kabarett. Elisabeth Möller war mit ihren Programmen durch ganz Deutschland getourt, nutzte ihre Kontakte und holte etliche Künstlerinnen und Künstler nach Heckenbeck auf die Weltbühne. Auch große Namen waren dabei, und wer hätte auch nicht gern auf einer „Weltbühne“ gespielt? Manchmal reichte das Fassungsvermögen des Saales im ersten Stock des Gebäudes für die aus dem weiten Umland von Göttingen bis Hildesheim und dem Harz in den 500-Seelen-Ort strömenden Menschen nicht aus. So war es zum Beispiel beim Auftritt von Marlene Jaschke und ihrem Programm „Auf dem Weg zu Dir“.

Natürlich erfreute auch Elisabeth Möller als „Lila Luder“ immer wieder ihr Publikum mit ihren Programmen und ihren verschiedenen Rollen, u.a. als „Hausmeister Blau“.

Nach der Gründung des Vereins mit heute rund 70 Mitgliedern wurde die Weltbühne förderwürdig und wurde vor allem vom Landesverband Soziokultur und vom Landschaftsverband Südniedersachsen finanziell unterstützt. 2010 übernahm der Verein KuK das Gebäude von den vier Weltbühnen-Gründerinnen. Inzwischen haben zahlreiche Helfer aus Heckenbeck die Kneipe des ehemaligen Gasthauses, den Eingangsbereich und das Foyer renoviert. Im eigenen Büro haben die organisatorische Arbeit und die Programmplanung ihren gebührenden Platz. 

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Foyer der Weltbühne Heckenbeck
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Klaus Hoheisel

Das Foyer der Weltbühne Heckenbeck mit Blick in den Hof

Mehr als eine Kleinkunstbühne

Seit vielen Jahren ist die Weltbühne mehr als eine Kleinkunstbühne. Die jenseits des Hofes hinter dem Weltbühnen-Gebäude liegende Freie Schule Heckenbeck nutzt den Saal und die Küche und zahlt dafür eine Miete. Im Sommer sind regelmäßig internationale Jugendgruppen zu Gast, um Theater zu proben und zu spielen.

Seit der Gründung des Vereins und der Eröffnung der Weltbühne hat sich die Kulturstätte zu einem soziokulturellen Zentrum entwickelt. Was als kleines, lokales Projekt begann, ist heute ein vielseitiges und dynamisches Kulturprogramm, das weit über die Grenzen von Heckenbeck und Bad Gandersheim hinaus bekannt ist. Dabei sind die Veranstaltungen so vielfältig, wie die Menschen, die sie besuchen.

 

Aus dem Ort – für den Ort 

In einer Welt, die zunehmend digital und anonym wird, bietet das Weltbühnen-Team einen Raum, in dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam zu lachen, zu tanzen, zu musizieren, sich zu begegnen und auszutauschen. Die Aktivitäten des Vereins reichen heute von Kabarett und Comedy über Theateraufführungen und Lesungen bis hin zu Live-Musik-Veranstaltungen und Tanzabenden.

Natürlich ist in den bisherigen 25 Jahren auch bei der Weltbühne nicht alles immer glatt gegangen. Die Corona-Zeit war eine schwierige Phase. Danach sind auch hier die Zuschauer zunächst weggeblieben, berichtet Anja Kreyer. Im November 2023 ist mit viel Beteiligung aus dem Ort überlegt worden, wie ein Neuanfang gelingen könnte. Kreyer: „Das Programm ist jetzt soziokultureller.“ Die Menschen sollen Kultur nicht nur anschauen, sondern selbst aktiv werden, zum Beispiel beim Tanzen, Musizieren oder in Workshops. Dabei gibt es bewusst Angebote für alle Generationen. Kinder sind gern gesehene Gäste. Eine Möglichkeit, sich auszuprobieren, bietet die regelmäßige Offene Bühne, die bislang sehr gut angenommen wird. Hier können Bühnenneulinge wie auch erfahrene Musikerinnen und Musiker auftreten. 

Vielfältiges Programm

Im Programm-Flyer für den Zeitraum August bis Dezember 2025 finden sich über 40 Angebote. Da gibt es ein Dorffrühstück, eine „Blaue Stunde“ mit dem Lila Luder, einen Workshop „Theater der Befreiung“ mit Elisabeth Möller, eine Schreibzeit, einen Tango-Jugendtanzkurs, Discofox- und Rumba-Tanzveranstaltungen, einen New-Milonga-Tanzabend, afrikanisches Trommeln, regelmäßige offenen Musikbühnen (Open Stage), Doppelkopf Spieltage, einen Workshop zu Frieden- und Konfliktbearbeitung, das erste Heckenbecker Deep-Speed-Dating, Schamanisches Reisen (nach innen lauschen), einen veganen Kochkurs, einen Balfolk-Workshop mit Konzert, ein Klezmer/Balkan/Gypsy – Konzert, ein Weltspiel mit einem spielerischen Blick auf die Weltökonomie, Verteilung und nachhaltigen Konsum und natürlich ausgewählte Kabarett- und Konzertveranstaltungen, u.a. mit Nessie Tausendschön sowie den Gitarristen Reentko Dirks und Sönke Meinen, verbunden mit einem Gitarren-Workshop. Am Jubiläums-Wochenende zum 25-jährigen Bestehen wurde eine Ausstellung „Weltbühne früher & heute“ präsentiert.

Hintere Reihe: Doris, Jeff, Matina, Tamim Alemi (Vorstand), Gerlinde, Bernd, Christian Fox (Mitarbeiter Technik) ,Markus, Anja Kreyer (Mitarbeiterin), Katrin Bäumler (Vorstand), Theresia, Reinhard Kretzer (Finanzen), Hartmut. 
Vordere Reihe: Anja, Franziska, Christina, Katha, Reinold, Birgit Böttcher (Mitarbeiterin), Ronald Mikus (Vorstand). 
Vorne: Elisabeth Möller

 

Weltbühnenensemble

Nach 25 Jahren blüht und gedeiht die Weltbühne mit einem reichhaltigen und vielfältigen Kulturprogramm. Dem Mut und Engagement der Gruppe unerschrockener, zugezogener Heckenbeckerinnen im Jahr 2000 sei Dank. Die Mischung aus anspruchsvollem Bühnenprogramm, Workshops zu Musik, Tanz und Kommunikation, aus Vorträgen und Lesungen zu gesellschaftspolitischen Themen, aus Angeboten in den neu ausgebauten Werkstätten und aus geselligen Kneipenabenden und Café-Nachmittagen lockt nicht nur Besucherinnen aus dem ganzen Landkreis Northeim, sondern auch viele darüber hinaus in das kleine Dörfchen Heckenbeck.

Vor Ort in Heckenbeck und Umgebung ist das Interesse an der Weltbühne wieder groß. Zur Unterstützung des Vereinsvorstandes und für die Planung von Aktivitäten wurde ein elfköpfiger Weltbühnenrat geschaffen. Außerdem gibt es einen Helferkreis von rund zwei Dutzend Menschen, die regelmäßig anpacken und sich um Thekendienst und Ticketverkauf kümmern. Zum festen Teilzeit-Team des Vereins gehören neben Anja Kreyer (Programmkoordination, Öffentlichkeitsarbeit) Birgit Böttcher (Geschäftsstelle) und Christian Fox (Technik).

All dies wäre ohne das große ehrenamtliche Engagement der vielen Beteiligten des „Weltbühnenensembles“ und des Weltbühnenrates bei der Planung, Organisation und Durchführung der Weltbühnen-Angebote nicht möglich. Die große Beteiligung von Vereinsmitgliedern bildet das bemerkenswert vielfältige Programm ab.

Ziel ist bei allen so verschiedenen Angeboten, die Seele zu berühren und die Gemeinschaft zu stärken. Jedes Event, jeder Tanzabend, jede Lesung und jedes Konzert wird von den zahlreichen ehrenamtlich Aktiven des Vereins mit Liebe und Hingabe vorbereitet, um den Besucherinnen und Besuchern ein Erlebnis zu bieten, das in Erinnerung bleibt. Die Weltbühne soll mehr als ein Ort sein. Ein lebendiges Beispiel dafür, wie Kultur und Gemeinschaft Hand in Hand gehen können. 

Anja Kreyer: „Wir wollen mit kulturellen Angeboten Menschen zusammenbringen, neue Formate ausprobieren und gesellschaftlichen Dialog fördern.“ Und auch die Gründerin Elisabeth Möller, die sich zwar aus der Verantwortung im Verein zurückgezogen hat, aber gleichwohl immer noch aktiv dabei ist, schaut positiv nach vor: „Es hat Spaß gemacht und es macht Spaß.“

Verfasser:in

Klaus Hoheisel

Kulturveranstalter und Autor im kulturis-Magazin

Fokus

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Im Artikel genannt

Im Artikel genannt
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Konzert

Reentko Dirks und Sönke Meinen - Konzert

Ein Abend – drei musikalische Welten: Die beiden herausragenden Gitarristen Sönke Meinen und Reentko Dirks präsentieren ein facettenreiches Konzertprogramm zwischen solistischer Virtuosität und eindrucksvollem Zusammenspiel. Im Zentrum des Abends steht ihr gemeinsames Album „Tales of Winter“: eine...

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