Kohlhaas, der du dich gesandt zu sein vorgibst, das Schwert der Gerechtigkeit handzuhaben, was unterfängst du dich, Vermessener, im Wahnsinn stockblinder Leidenschaft, du, den Ungerechtigkeit selbst, vom Wirbel bis zur Sohle erfüllt?
Ein einzelner Bürger zerbricht an der Willkür der Mächtigen. Wie weit darf er für seine Gerechtigkeit gehen? Der Betroffene: Michael Kohlhaas, ein Pferdehändler und immer rechtschaffend. Als ihm aber Unrecht geschieht, sucht er den legalen Weg – doch Ämter versagen, Gerichte schweigen, die Obrigkeit schützt die eigenen Reihen. Aus dem Vertrauen in den Rechtsstaat wird Verzweiflung, aus Geduld Wut, aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit ein kompromissloser Kampf. Wann wird aus berechtigtem Protest radikaler Widerstand? Mit seiner Novelle »Michael Kohlhaas« schrieb Heinrich von Kleist einen der eindringlichsten politischen Texte der deutschen Literatur. Durch die Zeiten der letzten 116 Jahre blieb dieser Selbsthilferachezug erschütternd aktuell und brisant wie am ersten Tag. Im Zentrum dieses packenden politischen Dramas über Machtmissbrauch, Korruption und die Fragilität demokratischer Strukturen stehen die herausfordernden Fragen aktueller Gesellschaften nach individueller Verantwortung, nach zivilem Ungehorsam und nach den Grenzen legitimen Widerstands. Zwischen persönlicher Tragödie und gesellschaftlichem Flächenbrand machen die moralischen Konflikte in dieser Geschichte spürbar, welche gefährliche Kraft Menschen entwickeln können, die sich nicht mehr gehört fühlen.
Veranstaltungsort
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Deutsches Theater in Göttingen GmbH
Theaterplatz 11
37073 Göttingen
Deutschland