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geöffnet Di – So 11 – 17 Uhr

Wenn die Technologisierungs–Utopien des Transhumanismus in absehbarer Zeit in eine durchschlagende Realisierungsphase eintreten sollen, spielen bestimmte Pläne der führenden amerikanischen Technologie Konzernchefs eine entscheidende Rolle. Bei Ihnen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Weltraum schnellstmöglich besiedelt werden sollte, um mit extraterrestrischen Ressourcen den Bedarf für die steigende Produktion abzudecken. Die Ressourcen der Erde sind endlich, ein neuer Wettlauf wurde eröffnet, nur das Motto heißt diesmal nicht „Go West! sondern eher „Go Mars!“ Damit nimmt die geschäftliche Raumfahrt eine neue Schlüsselrolle für die Durchsetzung einer Agenda expansiver, privater Technik-Implementierung ein; Elon Musk mit „SpaceX“ und „Starlink“ und Jeff Bezos mit „Blue Origin“ sind prominente Beispiele.

Viele Werke der spanischen Künstlerin Nieves de la Fuente greifen relevante Aspekte zu dieser Thematik auf. Die multimedialen Installationen setzen sich beispielsweise mit expansivem Bergbau auseinander und zeigen u.a. die totale topographische Verwerfung der ursprünglichen Landschaft, welche nach dem Abbau in ihrer leblosen Andersartigkeit frappierend direkt an die Oberfläche fremder Planeten erinnert. Durch das Mischen von echten Aufnahmen, digital gescannten und computergenerierten Visualisierungen werden die gezeigten Territorien einerseits noch schwerer fassbar, andererseits wirken sie in der hochtechnologischen Simulation noch futuristischer. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der gezeigten Gebiete verschmelzen in entrückten, fast surrealen Visionen, welche eigentlich dennoch einen akuten Handlungsbedarf aufzeigen. Denn es ist zu berücksichtigen, dass es solche verwüsteten Gebiete tatsächlich auf der Erde gibt und sie sich ausbreiten. Für diesen Themenkomplex stehen u.a. die Werkreihen von „Bridge“, von „No habrá servicio los Domingos ni en el cumpleaños de la Reina Victoria“ oder von „Reliquia de las Disciplinas Geográficas“, welche alle Teil dieser Ausstellung sind.
Andere Projekte in der Ausstellung, wie z.B. „Night Companions“ oder „ODD//FOES“ (Orbital Distant Debris Falling on Earth Surface) thematisieren die wachsende Anzahl von Satelliten, welche als Netz die Erde umspannen oder fern von ihr als „Pfadfinder“ den Weltraum durchqueren. Diese Flugkörper sind bereits grundlegend für Kommunikation und Navigation der Menschen und bilden zukünftig die Basis für eine mögliche Eroberung des Weltraums. Doch wer hat die Macht über diese Flugkörper und was passiert, wenn sie ausfallen? Auf der Erde dienten einst die Sterne der Navigation von Tieren und Menschen, heute haben erstere häufig das Nachsehen, da sie auf Sterne angewiesen sind, diese aber nicht mehr von leuchtenden „Satellitenpunkten“ am Nachthimmel unterscheiden können.

Nieves de la Fuente zeigt diese fünf Werkgruppen in ihrer Einzelausstellung in Göttingen und bereichert damit das Jahresthema TRANSHUMAN vielschichtig mit den neuen Bereichen und Aspekten aus ihrem Œuvre. Obschon inhaltlich komplex, konkretisiert die Künstlerin die Themen anhand realer Beispiele und macht diese in ihrer prägnanten Formensprache und hoch entwickelten Animationen einfach greifbar und zugänglich, ohne im rein Dokumentarischen zu verharren. Vielmehr dienen ihr die realen Fallbeispiele als Basis für die Erschaffung von sehr innovativen, eigenständigen Kunstwerken, welche das Vertraute mit dem Fremden fusionieren. Auf diese Art entsteht eine Spannung, welche die Besuchenden ästhetisch, akustisch und taktil in den von der Künstlerin generierten „Kunst–Umwelten“ erkunden können. Damit zeigt Nieves de la Fuente beispielhaft auf, wo sich in der Gegenwart bereits „Transhumane Tendenzen“ vollziehen und wie dieser Vollzug die menschliche Sicht auf interplanetare Konstellationen und Möglichkeiten grundlegend erweitert. Doch neue Handlungsspielräume erfordern auch den gesellschaftlichen Diskurs in der Abwägung möglicher Folgen für die Allgemeinheit. Der Kunstverein Göttingen ermöglicht diesen gemeinsamen, kritischen Diskurs im Rahmenprogramm und auf Basis seiner Ausstellungen zeitgenössischer Kunst als wichtigen Teil der eigenen, gesellschaftlichen Agenda.

 

PROGRAMM

Sa, 8. Aug ab 17 Uhr
Vernissage
Willkommensreden und Einführung in die Ausstellung
Die Künstlerin und der Kurator werden vor Ort sein
geöffnet bis 20 Uhr (Eintritt frei)

So 30. Aug / So 20. Sep / So. 27. Sep
jeweils um 15 Uhr
Sonntagstour mit Joos Ziegler bzw. Stephan Klee

Sa 3. Okt 2026 um 11 – 16 Uhr
Die Kunst Matinée
mit Führung und Podiumsgespräch

So 4. Okt 2026 um 11 Uhr
Finissage
„Walk and Talk“ – durch die Ausstellung mit dem Kurator Stephan Klee in Deutsch und Englisch
und Ausklang
geöffnet bis 14 Uhr (Eintritt frei)

Eintrittspreise
€ 3,00 / € 1,50 (ermäßigt)
Preisinformationen

Gäste bis 18 Jahren frei
Kultur-Ticket frei
Vernissagen und Finissagen frei

Veranstaltungsort

Veranstaltungsort

Altes Rathaus Göttingen

Ort der Begegnung inmitten der Stadt

Adresse

Altes Rathaus Göttingen
Markt 9
37073 Göttingen
Deutschland

Verortung
Art der Veranstaltung
Vor Ort

Veranstalter:in

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