Das „Paradies“ mitten im Harzer Wald – hier ist die Kreativität zuhause

Herzlich willkommen im wohl schönsten Wohnzimmer am Ende der Welt zwischen Sieber und Herzberg.

Veröffentlichungsdatum

Der Harz verfügt über viele aufgegebene Bauten aus früheren Zeiten. Dieser Umstand hat verschiedene Gründe. Zu nennen wären zum Beispiel der Niedergang des Bergbaus oder verändertes Konsum- und Gästeverhalten, welches Betriebs- oder Hotelgebäude in Folge oftmals überflüssig machten. Bestenfalls wurden die leer stehenden Bauten für einen anderen Zweck umgewidmet. Gelang dies jedoch nicht, fristen sie ein Dasein, das zumindest Fans sogenannter Lost Places in das Mittelgebirge lockt. Einer dieser Lost Places war für längere Zeit auch das Hotel „Zum Paradies“, idyllisch zwischen Herzberg und dem Dorf Sieber mitten im Wald gelegen. Vor einigen Jahren wurde das ehemalige Hotel sowie das benachbarte Areal einer alten Sägemühle von einer Gruppe Engagierter bei einer Auktion käuflich erworben und so zu neuem Leben als Kulturort erweckt.

„Mit diesem Kauf legten wir den Grundstock zum heutigen Veranstaltungsort „Paradies“ oder zum wohl schönsten Wohnzimmer am Ende der Welt“, erzählt André, einer der Eigentümer, unserem Kulturmagazin. „Wir haben echt lange gesucht, etwa eineinhalb Jahre, und uns vieles im Lande angeschaut. Zum Beispiel alte Klöster in der Eifel oder Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Die Location im Siebertal hat uns aber am besten gefallen. Ein Flecken Erde, gelegen an einem romantisch plätschernden Fluss im Harz und hohem Wohlfühlfaktor sowie keine Nachbarn, die man stören könnte. Einfach ideal für Open Air-Veranstaltungen oder sonstige Aktionen aller Art.“

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André kommt eigentlich aus München und ist ein unkonventioneller Typ im positiven Sinne. Man meint bereits nach kurzer Zeit, ihn schon seit Ewigkeiten zu kennen. Er ist studierter Grafik- und Mode-Designer und verbrachte auch fünf Jahre seines Lebens in Berlin. Doch sei ihm die bundesdeutsche Metropole mit der Zeit zu laut, zu voll und zu vermüllt geworden. Anfänglich pendelte er noch zwischen der Hauptstadt und dem Harz hin und her. Bis er schließlich feststellte, dass das neue Domizil im Siebertal sein eigentliches Zuhause, sein persönliches Paradies, ist. 

Ein so großes Grundstück in Schuss zu halten und kulturelle Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, macht natürlich viel Arbeit und erledigt sich nicht von allein. So kam es, dass der sogenannte ehrenhafte Verein e.V. ins Leben gerufen wurde. Der Vereinszweck „ist die Förderung von Kunst und Kultur. Es geht uns darum, gemeinnützig soziokulturelles Leben und Veranstaltungen im ländlichen Bereich, vor allem im Südharz und auch über die Region hinaus, zu fördern. Es ist ein gemeinnütziger Verein und versteht sich als Organ des Paradies-Projektes, einem Zusammenschluss von kulturinteressierten Menschen“, heißt es in den Statuten. 

Zunächst wurde ein Kiosk mit einigem Erfolg betrieben und erste kulturelle Veranstaltungen organisiert. Der Kiosk musste aber mittlerweile aufgrund eines Wasserschadens wieder aufgegeben werden. Wer möchte, der kann gerne am Vereinsleben teilnehmen: „Fühlt euch eingeladen zusammen ein wahres Paradies zu kreieren. Wer Bock hat, mitzumachen, ist herzlich willkommen. Wir möchten aber keine Karteileichen im Team haben“, erklärt André lachend, der auch erster Vorsitzender des Vereins ist. Auch sonst hat sich das Team viel vorgenommen: „Sowohl an unserem Standort als auch darüber hinaus bieten wir Seminare, Musik, Theater, Akrobatik sowie Lesungen und nachhaltige, ökologische Projekte an. Darüber hinaus möchten wir die Gebäude des Geländes erhalten und wiederherstellen.“

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André heißt die Gäste zur Veranstaltung "Spektakeltal" willkommen
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ralf Gießler

André heißt die Gäste zur Veranstaltung „Spektakeltal“ willkommen

Was die Anzahl der Veranstaltungen anginge, gelte der Leitspruch „Qualität vor Quantität“. Im vergangenen Jahr haben die Organisatoren zum Beispiel das „Spektakeltal – die beste Show des Jahres“ gemeinsam mit dem Harzer Hof in Scharzfeld auf die Beine gestellt. „Leider spielte das Wetter an dem Samstag nicht so mit. Der harte Kern unserer Besucherinnen und Besucher blieb aber trotz des Regens bis zum Ende. Unser Publikum ging trotz des widrigen Wetters wahnsinnig cool damit um. Wer nochmals die Vorbereitungen zum „Spektakeltal“ Revue passieren möchte, sollte sich unbedingt einmal unseren kleinen Film „Behind the scenes“ ansehen.“ 

Überhaupt lohne es sich, Veranstaltungen im „Paradies“ zu besuchen. Denn „im Paradies gibt es viel zu erleben inmitten zauberhafter Natur im Wald am Fluss. Es gibt Vorführungen unterschiedlichster Art: von Kunstinstallationen, modernem Zirkus, Akrobatik, Comedy, Workshops über Live-Musik bis hin zu Tanzveranstaltungen und Lesungen. Das Ganze findet je nach Wetter draußen als Open-Air in einzigartigem Ambiente im großen Garten statt. Im Saal mit abgefahrener, gemütlich uriger Einrichtung und einer Bühne oder in der Bar mit Klavier. Wahlweise ist auch die hübsche Lounge bespielbar.“

Ganz neu ist übrigens „Mystic Magic – Eine Reise durch die Welt der Kartenmanipulation“. „Die 30 Minuten dauernde Zaubershow ist mehr als Unterhaltung – sie ist eine Reise durch Orte, Stimmungen und Geschichten. Erzählt mit nichts weiter als Spielkarten, Händen und Präzision. Der Abend beginnt in der Bronx: roh, direkt, ehrlich. Von dort führt der Weg in eine dunkle Bar, wo Karten zum Leben erwachen und Realität und Illusion verschwimmen. Weiter geht es zu einer intimen Dinnershow, bei der Magie ganz nah geschieht – greifbar, persönlich, unmöglich. Am Ende wartet Las Vegas: Staunen, Perfektion, Verwunderung. Im Mittelpunkt steht hochklassige Kartenmanipulation, ruhig ausgeführt, kontrolliert und mit maximaler Wirkung“, heißt es unter anderem vielversprechend in der Vorankündigung. 

Gebucht kann die Show ab sofort unter der E-Mail-Adresse magic@paradie.so. Weitere, umfassendere Informationen über das „Paradies“ und seine einzelnen Veranstaltungen sind auf www.paradie.so zu finden. Jede Menge kleine Filmchen können auf dem Youtube-Kanal angesehen werden. Ob und wann genau in diesem Jahr wieder ein „Spektakeltal“ im „Paradies“ stattfindet, wird zeitnah auf der Webseite veröffentlicht.

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André auf seinem Auto-Kunstwerk
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ralf Gießler

Auf dem weitläufigen Grundstück ist ein Auto hilfreich. Die Batterie wird übrigens per Solarzelle aufgeladen.

Auf die Frage, warum man denn unbedingt Mitglied im ehrenhaften Verein e.V. werden sollte, meint André: „Weil du mit deiner Mitgliedschaft ganz verschiedene kulturelle Angebote unterstützen willst, zum Beispiel Jazz oder auch Spektakelrock. Allerdings keinen Schlager oder Techno. Bei uns gibt es Kultur und Kunst in einem Land ohne Zeit.“ Für die Zukunft werden „vernünftige Handwerker gewünscht, die Zeit haben, sowie ein bis zwei Leute, die Lust haben zu unterstützen, das Hotel weiter instand zu setzen.“

Verfasser:in

Ralf Gießler

Journalist und Autor des kulturis-Magazins

Im Artikel genannt

Im Artikel genannt

Paradies

Kultur und Kunst in einem Land ohne Zeit

Adresse
Siebertal 2, Herzberg
Bild
Spektakeltal Titelbild Foto Seeyou Design Carsten Steps
Aufführung

Spektakeltal - Magie, Jonglage, Feuerkunst, Comedy

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