Gegen den Leerstand: Ein Raum voller Möglichkeiten in der „Kulturstube“

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Der ersten Artikel, den wir im kulturis-Magazin von Claudia Nachtwey im September 2022 veröffentlichte, stellte die Kulturstube in Duderstadt vor. Nun, vier Jahre später, ist es Zeit für ein Update und wir berichten, was dort aktuell zu sehen, hören und erleben ist!

„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Dieses Zitat von Guy de Maupassant hängt an einer Wand in der Duderstädter Kulturstube und entspricht der tiefen Überzeugung von Betreiber-Ehepaar Rainer und Annegret Maring. Eigentlich würden sie die 146 m² große Ladenfläche im sanierten Fachwerkhaus, Baujahr um 1550, gern verpachten, aber solange sich kein geeigneter Interessent findet, füllen sie den Raum lieber mit Kunst, Kultur und Vielfalt, statt ihn leerstehen zu lassen.

„Unser Motto ist es, Erlebnisräume zu schaffen“, sagt Rainer Maring, holt sein Handy aus der Tasche und zeigt Fotos mit einer Auswahl der vergangenen Veranstaltungen. Auffällig ist, dass das Ehepaar gern ganz unterschiedliche Aspekte miteinander verbindet: Lesung mit Musik und Wine-Tasting, Kunstausstellung mit Lyrik, Fotografien mit Ausdruckstanz, Vortrag mit regionalen kulinarischen Kostproben, und zum Duderstädter Apfel- und Birnenmarkt wird dort wieder ein Pomologe die mitgebrachten Apfelsorten der Besucher bestimmen.

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Rainer und Annegret Maring
Alle Rechte vorbehalten — Claudia Nachtwey

Rainer und Annegret Maring stehen für Kultur im Leerstand

Fast zehn Jahre lang haben die Marings das gotische Fachwerkhaus in der Duderstädter Fußgängerzone mit eigenen finanziellen Mitteln saniert. In der oberen Etage wurde eine gemütliche Ferienwohnung eingerichtet, und die Ladenfläche im Erdgeschoss bietet beachtliche Möglichkeiten.

„Wir wollen hier Vielfalt in einer historischen Innenstadt abbilden, wo sich Handel, Handwerk, Gastronomie und Kunst verbinden“, sagt Annegret Maring, die eine traditionsreiche Buchhandlung auf der anderen Seite der Marktstraße betreibt und somit auch die Schwierigkeiten der sich verändernden Innenstädte im Zeitalter des Online-Handels kennt. In der Buchhandlung fanden ebenfalls schon Lesungen und Veranstaltungen statt, zwischen den Bücherregalen, im darunterliegenden Gewölbekeller oder im idyllischen Garten. Um aber auch das Gotikhaus in der Marktstraße 26 zu beleben, nutzte das Ehepaar seit 2020 die große Ladenfläche als Kulturstube für zahlreiche Veranstaltungen, statt im Leerstand auf Pächter zu warten.

„Wir organisieren gern solche Events, auch wenn es manchmal sehr zeitraubend ist neben unserem Beruf. Aber wir haben hier schon so tolle Menschen kennengelernt, und manche Kontakte bleiben auch über die Veranstaltung hinaus bestehen“, erzählt Rainer Maring und zeigt die Keramik-Skulpturen der ukrainischen Bildhauerin Liubov Yakymenko, die zurzeit in den Schaufenstern zu sehen sind.

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Keramik-Skulpturen von Liubov Yakymenko
Alle Rechte vorbehalten — Claudia Nachtwey

Keramik-Skulpturen von Liubov Yakymenko

Als mögliche Pächter wünschen sich die Marings vor allem Menschen mit Herz und Kreativität. Vom kleinen (Kunst-) Handwerksbetrieb über Gastronomie und Manufaktur bis zur Nutzung des Raums durch verschiedene Vereine können sich die Eigentümer vieles vorstellen. Wichtig wäre ihnen jedoch die Aufwertung der Duderstädter Innenstadt. Dabei beziehen sie sich auch auf die Empfehlungen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, wo es heißt: „Wir brauchen mehr Erlebnisräume, Handwerk, Kunst, Kultur, Wohnraum, aber im Hinblick auf die notwendigen Klimaschutzanpassungen auch mehr Grün und mehr Blau (Wasser), um die Aufenthaltsqualität in heißen Sommern zu verbessern. Dieser Prozess muss jetzt beginnen.“ (Quelle DstGB, 2022)

Bis sich also passende Nutzer der Geschäftsfläche in der Marktstraße 26 finden, werden die Marings hier weiterhin für abwechslungsreiche Kultur- und Kreativangebote sorgen. Sollte die Fläche irgendwann verpachtet sein, wollen sie sich aber nicht aus dem Veranstaltungsangebot zurückziehen. „Wir haben ja auch noch viele Möglichkeiten in der Buchhandlung“, sagt Annegret Maring.

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Innenaufnahme der Duderstädter Kulturstube mit Blick aus den Schaufenstern
Alle Rechte vorbehalten — Claudia Nachtwey

Viel Fläche für Kreativität im gotischen Fachwerkhaus

Noch im September 2026 sind gleich zwei weitere Events geplant

Di., 15. September, 20 Uhr
Lyrik und Prosa von Lilli Grün

Unter dem Titel „Mädchenhimmel“ erinnern Carmen Barann (Lesung) und Martin Tschoepe (Gambe) in der Duderstädter Kulturstube an die Werke von Lilli Grün, die 1942 aus Wien deportiert und in Weißrussland ermordet wurde. Die jüdische Schriftstellerin zeigt eine literarische Nähe zu Irmgard Keun, Mascha Kaléko, Erich Kästner und Kurt Tucholsky.

Lili Grün, geboren 1904 in Wien, träumte zunächst davon, Schauspielerin zu werden. Gleichzeitig verfasste sie schon Gedichte und Kurzgeschichten und schrieb auch drei Romane, die beachtliche Erfolge erzielten. Ihre Gedichte und Prosatexte schrieb sie ganz im Zeitstil der neuen Sachlichkeit, die vorwiegend von den Herausforderungen der "modernen Frau" handelten. Frech, unverblümt und selbstironisch beschreibt sie Verliebtheit und Ernüchterung, Alltagssorgen und rasch zu verdrängende Nächte mit einer ganz eigenen heiteren, aber auch melancholischen, bittersüßen Note.

Tickets im Vorverkauf (15 Euro): Buchhandlung Gebr. Seseke, Telefon 05527 2528.


Fr., 25. September, 20 Uhr
Autorenlesung „Königin ohne Land“

Die Autorin Jutta Jakobi präsentiert in der Kulturstube Duderstadt ihre neueste Biografie über Königin Kristina von Schweden, erschienen bei Reclam. Begleitet wird die Lesung von der Harfenistin Daiva Mainka. Die Gäste erwartet ein stimmungsvolles Zusammenspiel von Wort und Musik.

Tickets im Vorverkauf (20 Euro): Buchhandlung Gebr. Seseke, Telefon 05527 2528.

Verfasser:in

Claudia Nachtwey

Gründerin von Clanys Eichsfeld Blog und Autorin des kulturis-Magazins

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Im Artikel genannt

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Lyrik und Prosa von Lilli Grün

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Unter dem Titel „Mädchenhimmel“ erinnern Carmen Barann (Lesung) und Martin Tschoepe (Gambe) in der Duderstädter Kulturstube an die Werke von Lilli Grün, die 1942 aus Wien deportiert und in Weißrussland ermordet wurde. Die jüdische Schriftstellerin zeigt eine literarische Nähe zu Irmgard Keun, Mascha...

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Autorenlesung „Königin ohne Land“

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Die Autorin Jutta Jakobi präsentiert in der Kulturstube Duderstadt ihre neueste Biografie über Königin Kristina von Schweden, erschienen bei Reclam. Begleitet wird die Lesung von der Harfenistin Daiva Mainka. Die Gäste erwartet ein stimmungsvolles Zusammenspiel von Wort und Musik. Tickets im...

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