Historischer Verbraucherschutz: Schwein gehabt oder ist der Wurm drin?

Auf Schatzsuche... im Historischen Museum Hellental

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Wie sah eigentlich Verbraucherschutz und Lebensmittelhygiene vor 100 Jahren aus? Bevor die amtliche Fleischbeschau eingeführt wurde, ging man im Herzogtum Braunschweig bei der ab 1866 gesetzlich vorgegebenen Trichinenschau mit einem einfachen Trichinen-Mikroskop der fleischhygienischen Frage eines möglichen, die menschliche Gesundheit gefährdenden Trichinenbefalls nach – obligatorisch bei Schweine- und Wildschweinfleisch sowie bei hausgeschlachteten Hunden.

 

Was ist das?

Das Reise-Lichtmikroskop zur mikroskopischen Fleischinspektion bei Hausschlachtungen wurde um 1900 von einem als Trichinenschauer amtlich bestellten Schuhmacher im Schaubezirk Merxhausen im Herzogtum Braunschweig verwendet. Der Kastendeckel weist aus, dass das Mikroskop in Stadtoldendorf bezogen und 1899 vom Kreistierarzt der Herzoglichen Kreisdirektion Holzminden für „gut“ befunden und damit zugelassen wurde.

 

Warum ist es für dich persönlich als Museumsleitung ein besonderes Objekt?

Seuchengeschichtlich belegt das Lichtmikroskop, dass einst die schmerzhafte Trichinose („Trichinenkrankheit“) endemisch wie epidemisch im Herzogtum Braunschweig auftrat. Die „Wurmerkrankung“ ist eine noch heute global mit variabler Neuerkrankungsrate verbreitete Infektionskrankheit des Menschen. Sie wird durch den parasitischen Fadenwurm Trichinella spiralis verursacht, der beim Verzehr von trichinenhaltigem rohem oder unzureichend erhitztem Fleisch übertragen wird.

 

Was erzählt es über Südniedersachsen?

Im Herzogtum Braunschweig trat 1866 ein „Verbraucherschutzgesetz“ in Kraft. Demzufolge war jedes geschlachtete Hausschwein von einem amtlich bestellten Trichinenschauer auf die „Trichinenfreiheit“ zu untersuchen. Hierfür entnahm er bei dem Schlachttier etwa bohnengroße Fleischproben aus verschiedenen Körperstellen, aus denen er zur mikroskopischen Untersuchung haferkorngroße Fleischstückchen vorbereitete, um daraus Quetschpräparate anzufertigen. Danach musterte er jedes Präparat durch und dokumentierte seine Untersuchungsergebnisse in einem vorgeschriebenen „Tagebuch“.

 

Wie kam es ins Museum?

Mit Schriftzeugnissen zur Trichinenschau wurde das Lichtmikroskop dem Museum aus dem Familienbestand des ehemaligen Trichinenschauers übereignet.

 

Wo kann man es sehen?

Das Lichtmikroskop ist in der Hauptausstellung unseres regionalen LandMuseums zu sehen.

Bild
Ein Reise-Lichtmikroskop
Alle Rechte vorbehalten Dr. Klaus A.E. Weber / Historische Museum Hellental
In unserer Serie Auf Schatzsuche... stellen wir euch besondere Objekte aus den Museen Südniedersachsens vor. Wir haben Museumsleitungen und Kurator:innen gefragt, welche besonderen Dinge es in ihren Museen zu entdecken gibt und präsentieren euch diese im kulturis-Magazin.

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Historisches Museum Hellental

Regionales LandMuseum für Geschichte, Archäologie und Alltagskultur im Solling

Adresse
Lönsstraße 6, Heinade-Hellental

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