Kultur vor der Haustür – „das Pfund, mit dem wir wuchern“

Kleinkunstbühne Geismar lebt von der ehrenamtlichen Arbeit

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Mit dem Stück „Zum Fest das Beste“ von der Göttinger Kabarett-Gruppe Pawlowskis hat im Dezember 2007 alles begonnen, auch das zehnjährige Bestehen wurde mit den Pawlowskis gefeiert, nun gibt es die Kleinkunstbühne Geismar seit fast 20 Jahren, erzählt Wilhard Dehnerdt, der mit Uwe Löding für GeismART – der zweite Name der Kleinkunstbühne – verantwortlich zeichnet. Wie wird wohl das 20-Jährige gefeiert?

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Uwe Löding und Wilhard Dehnerdt
Alle Rechte vorbehalten — Ute Lawrenz

Uwe Löding und Wilhard Dehnerdt

Damals sei die heutige Bühne noch ein abgeschlossener, an den Saal der Verwaltungsstelle angrenzender Raum gewesen, dort wo heute die Bühne steht, seien die Fahnen der Vereine aufbewahrt worden, war in einem Artikel zum zehnjährigen Bestehen zu lesen. Die drei Frauen Annette Meyer, Gerda Fischer und Brigitta Wagener-Brandt hatten die Idee, beide Räume für Veranstaltungen zu nutzen, und bekamen bald von Margit Erstling, Gisela Kompart und Gertraude Linne Unterstützung. Als nach den ersten erfolgreichen Jahren die Wohnung neben der Bühne frei wurde, setzten sich die Frauen – auch erfolgreich – dafür ein, dass auch diese dem Kulturbetrieb zugeteilt wurde.

Der Bühnenraum bekam einen zweiten Ausgang: Die „Gute Stube“ wurde zum „Foyer“, in dem sich die Zuschauenden in der Pause einer Vorstellung stärken konnten. Das Catering mit Bockwurst und Brezeln wird von der Freiwilligen Feuerwehr Geismar betrieben, die direkt nebenan ihr Domizil hat. Eine „Win-Win-Situation“, finden mit Löding und Dehnerdt die heutigen Betreiber. Vor einigen Jahren hätten die, die den Anfang gemacht hatten, die Leitung an Uschi Simon und Svenja Schütze abgegeben; Annette Meyer und Margit Erstling seien aber weiterhin aktiv dabei.

2025 dann, haben Löding und Dehnerdt die Leitung der Kleinkunstbühne übernommen. Und auch sie fühlen sich nicht alleine. Die Kleinkunstbühne laufe ehrenamtlich. Fünf Mitglieder des Ortsrats und fünf des Kulturvereins seien für die Bühne in Geismar aktiv, diese verzichte auf Fördermittel, damit sie unabhängig bleibe. Dieser Fakt ist Löding wichtig.

Viele Geismarer wollen helfen. Während die einen Leckereien für die Künstler backen, kümmert sich Uwe Kompart um die EDV, wieder andere packen mit an, wenn beim Einlass Not am Mann ist oder wenn Stühle gerückt werden müssen. Denn der Raum beherbergt nicht nur Kulturevents, er dient auch als Tagungsraum für den Ortsrat.

Dass Kulturveranstaltungen für die Menschen in Geismar direkt vor der Haustür angeboten werden, sieht Dehnerdt als „das Pfund, mit dem wir wuchern“. Die Kleinkunstbühne sei für den Ortsteil, so Löding. Natürlich kämen auch Menschen aus den Nachbardörfern.

Ein Großteil der Veranstaltungen sei ausverkauft, schildert Löding die gute Auslastung der Bühne. Dank der vielen Ehrenamtlichen sei das Projekt sehr kostengünstig. In der Regel betrage der Eintritt 15 Euro. Allerdings müsse die Kleinkunstbühne manchmal auch mehr für die Tickets nehmen, zum Beispiel wenn die Ensembles wie „vocaldente“ größer seien. Letztere fünfköpfige Gruppe komme aus persönlicher Verbundenheit nach Geismar, weil die Großmutter von einem der Sänger dort wohne.

„Die Arbeit macht Spaß“, beteuert Dehnerdt. Die familiäre Atmosphäre hebt Löding hervor. Man kenne viele Leute und lerne noch mehr kennen. Etwa zehn Leute aus dem Geismarer Kulturverein als Dachverband mit insgesamt rund 50 bis 60 Mitgliedern arbeiteten am Programm der Kleinkunstbühne, beschreibt Löding. Das Stammpublikum sei gehobenen Alters. Auch die Jüngeren sollen mit einbezogen werden. Das sei zum Beispiel mit Rockshows möglich. Dafür hat Dehnerdt Kontakt zum Göttinger Verein „Kreuzberg on KulTour“ aufgenommen.

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Die Stillen Hunde auf der Kleinkunstbühne Geismar
Alle Rechte vorbehalten — Kulturverein Geismar

Die Stillen Hunde auf der Kleinkunstbühne Geismar

Die Künstler, die nach Geismar kämen, seien in der Regel zufrieden, denn das Publikum gehe sehr gut mit. Mit den „stillen hunden“, der „Comedy-Company“, „Front Porch Pickung“ und genauso mit der Weihnachtskomödie „Die Lamettafee“ sollen nur einige Programmpunkte genannt sein. „Die bösen Schwestern“ seien nicht die einzige Gruppe, die frage, ob sie wiederkommen dürfe. „Wir müssen nicht groß suchen“, freut sich Dehnerdt. Jede Woche gebe es eine Anfrage von Künstlern, die gerne in Geismar auftreten wollten. Um nicht die Katze im Sack zu kaufen, würden sie deren Videos sichten, aussortieren und versuchen, eine gute Mischung aus Comedy, Kabarett und Konzerten in verschiedenen Musikrichtungen hinzubekommen. Immer müssten sie sich fragen, ob die ausgewählten Nummern auch ankommen würden. Beim Konzert von „Stilbruch“ aus Leipzig mit vielen Gästen von auswärts hätten zwar einige wenige den Saal verlassen, doch die vielen, die geblieben seien, hätten gejubelt. Und sie können sich freuen: die drei Musiker von „Stilbruch“ wollen mit deutscher Rock- und Popmusik auf Cello, Geige und Schlagzeug am 12. März 2027 noch einmal in Geismar auf die Bühne kommen.

Die Honorare für die Künstler sind laut Löding und Dehnerdt Verhandlungssache. Ein Vorteil sei, dass die Kleinkunstbühne keine Saalmiete zahlen müsse, die Stadt stelle die Räume kostenlos zur Verfügung. Trotzdem stehe die Initiative unter Kostendruck, auch sie muss die GEMA‑Gebühren entrichten.

 

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Live-Foto der Band Stilbruch auf der Kleinkunstbühne Geismar
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Die Band Stilbruch auf der Kleinkunstbühne Geismar

Jeweils für ein halbes Jahr werde das Programm ausgearbeitet, sagt Löding. Für das erste Halbjahr 2027 sei die Planung fertig: Jeweils eine Veranstaltung gibt es im Monat. Nur der Juni mit dem Altdorffest sei wegen nötiger Absprachen noch offen. Denn genauso wenig wie beim Weihnachtsmarkt in Geismar soll es beim Altdorffest keine Parallelshow geben.

Einmal im Jahr bietet die Kleinkunstbühne ein Stück für die jüngsten Geismarer an. Bewährt habe sich hier Christoph Buchfink. Zu den Kindervorstellungen gehören oft auch Süßigkeiten für die Kleinen.

Im Sommer liege das kulturelle Leben in Geismar wie auch in anderen Regionen eher brach. Dann werde es schwierig, den Raum zu füllen. So gibt es jedes Jahr eine Sommerpause, diese orientiert sich an den Schulferien.

Die Karten, in der Regel zum Einheitspreis, gibt es bei zwei Vorverkaufsstellen. In dritter Generation habe der örtliche Friseur diese Aufgabe uebernommen, dazu kümmere sich Annette Meyer um einen telefonischen Kartenservice. Und auch Geismarer mit geringem Einkommen können von Kulturevents profitieren.

Verstärkt wollen sich Dehnerdt und Löding darum kümmern, dass auch Jüngere in die Vorstellungen kommen und sich bei der Organisation engagieren, um die Aufgaben, die jetzt noch sie erfüllen, in der Zukunft zu übernehmen. Doch erstmal sieht Dehnerdt keine Not. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es noch eine Zeitlang machen“, sagt das Zweier-Team mit Mitte 70.

Verfasser:in

Ute Lawrenz

Journalistin und Autorin des kulturis-Magazins

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Im Artikel genannt

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Daniela Michel

Daniela Michel - Männer und andere (Kata)Strophen im Leben einer Frau

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Welche Frau kennt das nicht? Den Kampf allem gerecht zu werden. Den eigenen Bedürfnissen, den Erwartungen der Gesellschaft, Bemühungen um die Karriere, den Enttäuschungen der Liebe, nebenbei noch putzen, waschen, Sport treiben und zu allem Überfluss gibt es immer die eine Tante, die einem...

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