Rock for Tolerance Open Air – „Schritt für Schritt gewachsen, ohne unsere Werte zu verlieren“

Das beliebte Festival feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum und war mit einigen Neuerungen am Start

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Was 2016 als kleines Festival gegen Rechtsextremismus begann, hat sich heute als ein fester und überaus beliebter Bestandteil des kulturellen Lebens in unserer Region entwickelt. Ein zweitägiges Open Air, das Begegnung, Musik und gesellschaftliches Engagement prima miteinander verbindet. Bislang hat der gemeinnützige Verein „Rock for Tolerance“ e.V. rund 95.000 Euro in sozial-integrative Projekte in Hann. Münden und Umgebung investiert. 2026 folgte nun die bisher größte Ausgabe, erstmals auf einem neuen Gelände und ebenfalls erstmals mit Campingmöglichkeit, deutlich mehr Gästen als auf dem Tanzwerder und mit echt starken Live-Acts auf zwei Bühnen.

Wenn das „Rock for Tolerance Open Air“ stattfindet, sollte ich mir zukünftig Urlaub nehmen. Denn an den zwei Festivaltagen scheint stets super Sommerwetter zu sein. Jedenfalls war das 2024 so, als ich erstmalig in Hann. Münden dabei war, um die Musikveranstaltung ausführlich vorzustellen. Und in diesem Jahr am 19. und 20. Juni ganz besonders. Petrus muss wohl ein ausgesprochener RFTOA-Fan sein – und er hat Recht. Denn das Fest war und ist ein fröhlich-buntes Spektakel für alle, die Lust und Freude an handgemachter Mucke in entspannter Atmosphäre unter Gleichgesinnten haben!

Am Freitagmorgen hatte es noch bei mir im Ort ziemlich geschüttet, obwohl meine Wetter-App lediglich ein Prozent Regenwahrscheinlichkeit anzeigte. Kurz danach verhielten sich die Temperaturen entgegengesetzt zum deutschen Wirtschaftswachstum – sie stiegen deutlich an. Um mich ganz auf den bevorstehenden Tag konzentrieren zu können, hatte ich Diana Haeseler vor und nach dem Festival einige Fragen zur Beantwortung rund um das RFTOA geschickt. Diana sitzt als Schriftführerin im Vereinsvorstand von „Rock for Tolerance“ und ist meine zuverlässige, weil fix und umfassend antwortende Kontaktfrau.

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Die Band Senta auf der Bühne
Alle Rechte vorbehalten Ralf Gießler

Die Band Senta beim RFTOA 2026

Diana, wie hat es das Festival geschafft, so zu wachsen?

Das Geheimnis hinter unserem Wachstum: ganz viele Menschen, die einfach Bock darauf haben, etwas zu bewegen. Von Anfang an war das Festival getragen von Ehrenamtlichen, die mit viel Herzblut und ohne große Ressourcen angepackt haben. Was uns groß gemacht hat, ist das Netzwerk, das wir über die Jahre aufgebaut haben: die Stadt Hann. Münden, die Stadtentwässerung, Vereine und Kooperationspartner. All diese Unterstützung hat uns ermöglicht, Schritt für Schritt zu wachsen, ohne unsere Werte zu verlieren. Dabei geht Unterstützung bei uns weit über Geldspenden hinaus. Ob Möbel, Geschirr oder geliehener Gastronomiebedarf: Viele Menschen und Betriebe haben uns mit dem ausgestattet, was wir gebraucht haben, damit das Festival überhaupt funktioniert. Das ist gelebte Solidarität. Und dann sind da natürlich unsere freiwilligen Helfer und Helferinnen. Ohne sie würde kein einziges Festival stattfinden. Sie sind das Herzstück des „Rock for Tolerance“ und der beste Beweis dafür, dass Gemeinschaft wirklich etwas bewegen kann.

 

Was hat sich in den letzten zehn Jahren aus eurer Veranstaltersicht verändert für das Festival, in der Gesellschaft – Thema Rechtsextremismus – und im Musikgeschäft?

Das Festival selbst hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht: Was als kleines Konzert gegen Rechts begann, ist heute ein Familienfestival geworden: offen, bunt und für alle. Und je größer das Festival wird, desto stärker wird auch die Wahrnehmung von außen. Das merken wir zum Beispiel daran, dass sich mittlerweile deutlich mehr Presse für uns interessiert, aber auch daran, dass unsere Gäste von immer weiter her anreisen. Der Großteil kommt heute außerhalb von Hann. Münden aus ganz Deutschland und einzelne Gäste reisen sogar aus der Schweiz an. Das zeigt uns, dass das „Rock for Tolerance“ längst über die Stadtgrenzen hinaus eine treue Community aufgebaut hat. Was die Gesellschaft angeht, machen wir uns keine Illusionen: Die Polarisierung hat zugenommen, die Grenzen des Sagbaren haben sich verschoben. Das zeigt uns, dass ein Festival wie unseres heute genauso gebraucht wird wie vor zehn Jahren, vielleicht sogar mehr. Und dann ist da der Kostenfaktor, der alle Bereiche betrifft: steigende Gagen, höhere Kosten für Veranstaltungstechnik und Dienstleistungen, wachsende Auflagen. Zu unserer Crew gehören auch professionelle Dienstleister, die uns seit Jahren unterstützen und uns so weit entgegenkommen, wie es ihnen möglich ist. Aber auch sie können die gestiegenen Kosten nicht einfach auffangen, denn auch sie spüren den Druck. Dasselbe trifft auf die Künstler zu. Das macht die Durchführung von Veranstaltungen wie unserer von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Wir stemmen das, aber es ist eine echte Herausforderung, der sich die gesamte Veranstaltungsbranche stellen muss.

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Publikum vor der Bühne, auf der die Band Elfmorgen spielt
Alle Rechte vorbehalten Udo Seifert

Die Band Elfmorgen war beim RFTOA 2024 einer der Headliner – damals noch auf dem Tanzwerder.

Warum seid ihr eigentlich vom Tanzwerder in den Weserpark umgezogen?

Der Umzug war eine Chance, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Die Stadt Hann. Münden möchte den Weserpark als neues Festgelände etablieren und hat uns damit die Möglichkeit gegeben, das Festival endlich so wachsen zu lassen, wie es sich über die Jahre verdient hat. Auf dem Tanzwerder waren wir auf rund 1.000 Besucherinnen und Besucher begrenzt. Das war für eine lange Zeit gut und richtig, aber das Festival und seine Community sind längst darüber hinausgewachsen. In diesem Jahr erwarten wir bis zu 2.500 Gäste. Das wäre am alten Standort schlicht nicht möglich gewesen.

 

Seid ihr zufrieden mit dem bislang Erreichten der letzten zehn Jahre?

Ja, absolut. Wir haben in kurzer Zeit einen echten Sprung gemacht, sowohl in der Professionalität als auch in der Größe des Festivals. Vieles, was früher improvisiert werden musste, ist heute durchdacht und gut aufgestellt. Wir bieten erstmals Camping an, das am alten Standort schlicht nicht möglich war. Und wir sind das allererste Fest auf dem neuen Weserpark-Gelände, das wir von Grund auf mitgestalten und prägen können. Besonders stolz sind wir auf unsere Crew. Sie ist in kurzer Zeit enorm gewachsen, weil Menschen sehen, was wir aufgebaut haben, und sich davon anstecken lassen. Jedes Jahr kommen neue Leute dazu, die einfach Teil davon sein wollen. Das ist für uns das schönste Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Was läuft beim RFTOA gut, worauf seid ihr stolz, was könnte besser werden?

Was gut läuft? Eine ganze Menge, das haben wir bereits angesprochen. Worauf wir besonders stolz sind, ist die Gemeinschaft, die rund um das Festival entstanden ist, und die Wahrnehmung, die wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Was besser werden könnte? Da sind wir ehrlich: Auf einem neuen Gelände kann noch nicht alles perfekt sein. Die Infrastruktur ist noch nicht vollständig ausgebaut. Und auch organisatorisch müssen wir uns erst auf die neuen Gegebenheiten einspielen. Aber genau das ist der Reiz: Wir wachsen mit dem Gelände und das gemeinsam.

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Blick auf das Festivalgelände mit Menschen im Vordergrund und der Bühne im Hintergrund, dahinter waldige grüne Hügel.
Alle Rechte vorbehalten Ralf Gießler

2.800 Gäste besuchten das RFTOA in diesem Jahr trotz Hitze

Habt ihr Wünsche und Pläne für die Zukunft? Wie soll es weitergehen?

Unser Plan für die Zukunft ist so einfach wie konsequent: langsam und behutsam wachsen. Wir wollen nicht um jeden Preis größer werden, sondern stetig professioneller und effizienter, ohne dabei das zu verlieren, was das „Rock for Tolerance“ ausmacht. Musikalisch haben wir große Lust, noch viele tolle Bands nach Hann. Münden zu holen und das Festival als feste Größe in der Szene zu etablieren. Und natürlich wollen wir weiterhin ordentlich die Spendenkasse füllen, denn am Ende ist das unser eigentlicher Antrieb: Gutes tun, mit guter Musik.

 

Wie viele Gäste waren an den zwei Tagen im Weserpark dabei?

Wir waren mit 2.800 Menschen komplett ausverkauft und sind extrem zufrieden damit. Das haben wir nicht unbedingt erwartet. Wie schon gesagt, wir hatten mit 2.500 Gästen gerechnet. Der Vorverkauf für 2027 läuft schon super an, die „EarlyBird-Tickets“ sind bereits weg.

 

Wart ihr zufrieden mit dem Ort, dem Verlauf...?

Allgemein sind wir sehr zufrieden mit dem Verlauf. Es war der erste Durchlauf auf dem neuen Gelände und trotz einiger Probleme, die vorerst provisorisch gelöst werden mussten, da die Infrastruktur des Geländes noch nicht rechtzeitig fertig war, ist alles super gelaufen. Es hat sich noch etwas Verbesserungspotenzial ergeben, aber das ist normal und haben wir erwartet. Wir haben bereits jetzt schon sehr viel positives Feedback bekommen: von den Gästen, den Bands, aber auch aus unserer eigenen Crew. Wir möchten uns auch bei unserer Crew bedanken, die das alles ehrenamtlich macht. Einige gingen an ihre Grenzen und darüber hinaus, besonders bei der Hitze.

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Mitglieder vom "Kasseler Punkrock Kollektiv e.V."
Alle Rechte vorbehalten

Mitglieder vom „Kasseler Punkrock Kollektiv e.V.“ haben ihren Verein im Rahmen des RFTOA vorgestellt

Das Festival steht seit jeher für Toleranz und Miteinander. Kurz: Der Name ist Programm. 2026 war bisher die größte Ausgabe auf neuem Gelände und erstmals Campingmöglichkeit direkt vor Ort. Ergänzend zum Konzertprogramm gab es wie jedes Jahr eine Ausstellung sozialer Projekte, ein Kinderprogramm und eine Tombola. Für mich ist RFTOA besonders: Ein solidarisches Eintrittskartenmodell erlaubt den Fans eine Auswahl unter verschiedenen Preisangeboten. Wer besonders auf seinen Geldbeutel achten muss, erhält auf Anfrage sogar kostenlosen Eintritt, ganz ohne Nachfragen und ohne Bedingungen, getreu dem Motto „Offen für alle“. Das habe ich noch bei keinem anderen Event erlebt. Darüber hinaus haben Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie Seniorinnen und Senioren über 65 Jahren grundsätzlich freien Eintritt – Hammer. Auch wenn ich nur für einige Stunden vor Ort war, hatte ich meinen Spaß. Die Leute waren trotz der Hitze gut drauf, gingen nett miteinander um und die Musik war prima. Das neue Gelände bot glücklicherweise genug Schutz und Schatten. Als ich in mein Auto stieg, hätte ich mir einen Schattenparkplatz gewünscht. Aus meiner Sicht hat sich der Umzug zum Weserpark bewährt, das Festival kann die nächsten Jahre sicher weiter wachsen. Für mich gibt es seit Freitag neben der berühmten „Wasserschlacht in Frankfurt“ – dem legendären Fußball-Halbfinale der Weltmeisterschaft am 03. Juli 1974 – nun auch die „Hitzeschlacht im Weserpark“.
Der neue Termin in 2027 steht übrigens auch schon fest, der Vorverkauf ist angelaufen. Die Veranstaltung findet dann am 18. und 19. Juni statt.

Verfasser:in

Ralf Gießler

Journalist und Autor des kulturis-Magazins

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Im Artikel genannt

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Rock for Tolerance Open Air Festival

Das Festival in Hann. Münden, zwischen Göttingen und Kassel Das Rock for Tolerance Open Air (RFTOA) hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe unter den Live-Veranstaltungen in Hann. Münden und Umgebung entwickelt. Seit 2016 stehen bei unserem Festival jährlich regionale und überregionale...

Weserpark Hann. Münden
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Die Rock for Tolerance Bühne im Abendlicht mit Pyroeffekten
Porträt

Musik-Spektakel „Rock for Tolerance“ startet

Das Open Air Festival in Hann. Münden hat ein buntes Programm auf die Beine gestellt.

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Ralf Gießler
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