Viele Köpfe voller guter Musikideen

Verein „Kopf voller Ideen“ fördert Kinder und Jugendliche mit musikalischen Talenten

Veröffentlichungsdatum

Konzentriert sitzt Patryk Pochopien im Büro. Doch der Grundschullehrer bereitet keine Stunden vor, er korrigiert keine Arbeitshefte. Umringt von Leah, Milena und Sophia – die drei sind 10 bis 12 Jahre alt – hat er gerade eine Strophe des Songs „Der goldene Weg“ mitgeschnitten. Sängerin Milena ist nicht zufrieden: „Können wir den Ton nochmal verändern?“ Pochopien findet es gut, dass sie das anspricht. „Du hast gute Ohren“, sagt dazu Julia Heuckeroth anerkennend. Sie engagiert sich als Coachin in dem Workshop: „Meinst du, du kriegst das in Bruststimme hin?“

Nach ein paar Stimm- und Lockerungsübungen gelingt Milena die Liedzeile besser – nun ist sie mit der Aufnahme zufrieden. „Wir wollen auch hören“, bitten Leah und Sophia im Büro des Hardegser Familienzentrums „Klatschmohn“, das an diesem Tag zum Tonstudio umfunktioniert ist. Und klar, sie bekommen auch Kopfhörer.

„Der goldene Weg“ ist der Titel des zweitägigen Workshops im Rahmen des langjährigen Projekts „Songs für coole Kids“, nun im Verein „Kopf voller Ideen“ mit Patryk Pochopien als Vorsitzendem. 2020 wurde der Verein gegründet mit dem Ziel, kreative Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche umzusetzen. Mit solchen Songwriting-Workshops, in denen Musikvideos entstehen, mit Sing-Mit!-Liederfesten und Talentförderung möchte der Verein die kulturelle Teilhabe junger Menschen fördern und sie in ihrer Entwicklung unterstützen.

 

Zum kostenlosen kulturis-Newsletter anmelden und nichts mehr verpassen!

Wir informieren dich immer freitags über die Veranstaltungstermine der kommenden Woche, spannende Kulturthemen und neue Funktionen bei kulturis.

Wir nutzen Brevo für den Newsletterversand. Wenn du das Formular ausfüllst und absendest, bestätigst du, dass die von dir angegebenen Informationen an Brevo zur Bearbeitung gemäß den Nutzungsbedingungen übertragen werden.

Bild
Teilnehmende des Projekts "Songs für coole Kids" bei Tonaufnahmen
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ute Lawrenz

Bei der Tonaufnahme: Patryk Pochopien mit Leah, Milena und Sophia (v.r.)

So haben sich Anfang Januar bei Schnee und Eis 14 Kinder zu Patryk Pochopien und acht Coaches (Betreuer:innen) auf den Weg gemacht, um in Anlehnung an die bekannte Geschichte vom Zauberer von Oz ein Musikvideo zu drehen. Der Workshop dazu ist so aufgebaut, dass die Teilnehmenden am ersten Tag den Song entwickeln. Beim Text hätten alle mitgewirkt, erzählen die Heranwachsenden stolz. Außerdem haben die Mitmacher in der Kreativzeit erste Accessoires für das Video gebastelt, Tanzideen gesammelt und erste Tonaufnahmen gemacht. Der Refrain für den Song „Der goldene Weg“ konnte laut Vereins-Homepage am ersten Workshop-Tag gesanglich aufgenommen werden.

Schon als Schüler habe er angefangen, Gedichte zu schreiben, irgendwann auch auf Englisch, beschreibt Patryk Pochopien (43). Später habe er begonnen, die lyrischen Werke zu vertonen. Weil er in seinem Volleyballverein, damals noch die SG Lenglern, Kinder trainierte, sei die Idee geboren, Grundschullehrer zu werden. Seinen Zivildienst habe er in einer Einrichtung für Kinder mit hyperkinetischen Störungen geleistet. Mit ihnen habe er die ersten Songs aufgenommen.

Im Referendariat dann habe er die Möglichkeit bekommen, eine Musik-Arbeitsgemeinschaft einzurichten. Drei in der AG entstandene Songs habe er damals bei einem Wettbewerb der Göttinger Filmklappe eingereicht. Damit hätten sie nicht nur den Regionalentscheid, sondern auch den Landeswettbewerb gewonnen. Es sei schon cool gewesen, mit seinen Schülern zur Siegerehrung nach Aurich zu fahren, erinnert sich Patryk Pochopien. Mit dem Preisgeld hätten sie den nächsten Song in einem Tonstudio aufgenommen.

So war klar: Der Hobby-Musiker Pochopien wird sich weiter für Musik und Workshops engagieren. Vor gut fünf Jahren ist aus diesem Engagement der Verein „Kopf voller Ideen“ entstanden. In guten Zeiten schaffe er fünf Workshops im Jahr, sagt der unermüdliche Initiator, in anderen Jahren könnten es nur zwei sein. Unter anderem hänge das vom Geld ab. Vor der Gründung des Vereins sei das Einwerben von Spendengeldern schwierig gewesen.

 

Auch am zweiten Workshop-Tag herrscht nicht nur in Hardegsen winterliches Wetter. Zwei der Akteure können diesmal nicht dabei sein. Umso mehr gibt es zu tun für die zwölf, die da sind. Mit Coach Julia Rott üben drei Mädchen ihren Tanz ein. Die Gruppe für das nächste Videosegment wartet noch auf ihren Auftritt. Denn die vielbeschäftige Kamerafrau Steffi Fischer ist noch mit anderen Darstellern draußen: Sie probiere etwas aus mit ihrer Drohne.

Ronya, Elisabeth und Emma sitzen mit den Coaches Inka Gerhardt und Annabelle Zutt am großen Esstisch und basteln Medaillons aus selbsttrocknendem Ton. Ronya hat ein Herz geformt und Elisabeth eine Note. Emma hat eine Katze modelliert, die Golddublone stammt von den Coaches. Mit dem Anmalen heißt es ein Weilchen zu warten. Ist der Ton noch zu nass, kann es schwierig werden.

Jeder der zwölf Mitmacher habe die Möglichkeit, ein Medaillon zu kreieren, erklären die beiden Betreuerinnen. Sie erzählen: „Wir haben auch schon mal Masken gemacht“. Oft würden die fertigen Schmuckstücke dann im Video verwendet.

Ein Mädchen hat gerade Zeit zum Chillen. Doch sie starrt nicht wie erwartbar auf ihr Handy. Mobiltelefone sollen zu Hause bleiben. Wer sein Handy trotzdem mitbringt, lässt es in der Tasche an der Garderobe. Nur auf Nachfrage bei den Coaches darf es für einen kurzen Job herausgeholt werden. Während Maya wartet, bis sie mit ihrer Gruppe für die Videoaufnahme dran ist, sieht sie Ronyas Bruder Mathis zu. Vor ihm liegt ein Mini-Weg, aus Bauklötzen gelegt. Antonina Nagle alias Tosha, Coachin und stellvertretende Vereinsvorsitzende, filmt ihn dabei, wie er auf den Weg zugeht.

Bild
Teilnehmende des Projekts "Songs für coole Kids" bei Filmaufnahmen
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ute Lawrenz

Filmen mit Miniatur-Weg: Mathis, Antonina und Maya (v.r.)

Für einen klaren Ablauf hat Patryk Pochopien mit den Coaches ein rotierendes System entwickelt. Zur Orientierung gibt es einen Zeitplan: Jeder weiß, wann und wo er gefragt ist. Jede Gruppe präsentiert für das Video eine Strophe des Lieds „Der goldene Weg“, welches Anfang Januar geschrieben wurde. Dafür bekommen die jungen Künstler Zeit zum Üben, bevor es mit den Ton- und Videoaufnahmen ernst wird.

Nun geht’s für Leah, Milena und Sophia nach draußen. Konkret ist ihre Vorstellung davon, wie sie ihre Strophe in Szene setzen wollen. Die Bluetooth-Box wird angeworfen, die Strophe erklingt, nun sollen die Bilder dazu aufgenommen werden. Immer wieder wird das Gepäck für den Weg – den goldenen natürlich – an die Sängerinnen übergeben. Die müssen daran denken, ihre Strophe mitzusingen, damit im Film alles echt aussieht. Die Tonaufnahme ist längst im „Studio“ entstanden.

„Kreativ Team“ steht auf den Pullovern der Coaches. Julia Rott ist aus der Talentförderung zur Mitbetreuung dieses Workshops gekommen. Patryk habe eine Anfrage an die Tanzschule geschickt, an der sie unterrichtet. So sei sie dazugekommen. Julia Heuckeroth ist durch Antonina Nagle zu den Köpfen voller Ideen gestoßen. Im Musik-Coaching ist sie an der richtigen Stelle.

Die Kinder, die im Workshop mitmachen, kommen zum Teil aus den zwei Talentförderungsgruppen, die in Göttingen und Northeim angesiedelt sind. Einige hätten schon bei früheren Aktionen mitgemacht, andere seien wie Mathis Geschwisterkinder. Auch bei den Konzertauftritten komme bei vielen die Lust, selbst mitzumachen, erzählt Patryk Pochopien. Er betont: Nicht jeder müsse bei jedem Auftritt dabei sein. So bleibe die zeitliche Belastung im Rahmen, wirbt er für die Workshops und für die Talentförderungsgruppen.

Der vor zwei Jahren veröffentlichte Song „Sag was du denkst“ zeigt eindrucksvoll, auf welchem hohen Niveau die Musikvideos mittlerweile produziert werden.

Auch wichtig: Die Kids (und andere) können Ergebnisse sehen. „Die Videos erscheinen auf unserem YouTube-Kanal und die Songs werden auf Streaming-Plattformen präsentiert“, sagt Pochopien. Das geschähe, wenn ein Album fertig ist – „Der goldene Weg“ sei ein Teil des siebten Albums. Allerdings sei wegen fehlender Ressourcen zum Werben die Reichweite des Kanals noch recht begrenzt. Die meisten Videos erreichten durchschnittlich 2000 bis 5000 Klicks. Doch wenn der Titel zu aktuellen Anlässen passe – wie z.B. „Nicht mein Tag“ oder „Wir haben Rechte“ gehe es auch mal bis zu 40000 Klicks hoch.

„Seid gespannt auf das fertige Video und auf einen großartigen Song, der auch eure Wege vergolden wird“, ist über den Workshop zum Song „Der goldene Weg“ auf der Homepage des Vereins zu lesen.

Der nächste Auftritt der coolen Kids ist am 8. Februar um 11.45 Uhr bei der Lokolino in Göttingen. Weitere Termine und Infos unter www.kopfvollerideen.org

Verfasser:in

Ute Lawrenz

Journalistin und Autorin des kulturis-Magazins

Fokus

Fokus

Im Artikel genannt

Im Artikel genannt
Bild
Lokolino Göttingen
Kinder- und Familien-Angebote

Lokolino Messe Göttingen

Die Erlebnismesse für Familie, Baby & Kind

Die LOKOLINO ist eine Erlebnismesse für Familie, Baby und Kind und findet in der LOKHALLE Göttingen statt. Neben einem Ausstellerbereich, in dem sich alle Besucher*innen zu Produkten informieren und beraten lassen können und diese auch erwerben können, gibt es einen Erlebnisbereich, in dem gespielt...

Kommentare

Kommentare