Der Samstag im Deutschen Theater - Jazzfestival Göttingen

Am Samstag unter anderem mit:

MARIUS NESET QUARTET

Die Musik des norwegischen Saxofonisten Marius Neset führt in eine Welt atemberaubend breit gefächerter musikalischer Vorstellungskraft. Nach Alben mit der London Sinfonietta, einer Solo-Saxophon-Platte und einer Duo-Suite mit dem klassischen Klavierstar Leif Ove Andsnes ist die Neubelebung des Quartett-Formats für Neset nun „wie nach Hause kommen“. Doch auch in der kleinen Besetzung (aktuelles Album: „Cabaret“ bei ACT) denkt er in orchestraler Bandbreite. In seiner dichten, komplexen, dynamischen Musik klingen viele Einflüsse an, unter anderem Joe Zawinuls melodische und strukturelle Eigenarten. Letztlich aber ist alles Neset pur, vom kompositorischen Detail bis zum virtuosen
Spiel auf Tenor- und Sopransax. Apropos nach Hause kommen: Im Jahr 2013 war Marius Neset erstmals auf dem Göttinger Jazzfestival zu hören, ebenfalls mit einer Quartett-Besetzung, aber noch ziemlich am Anfang seiner Karriere. Und schon damals brachte er den Schlagzeuger Anton Eger mit, der erst im vergangenen Jahr im Trio von Iiro Rantala für Furore sorgte. Für Neset ist Eger „der hingebungsvollste Musiker, den ich je traf“ – was sich mit Sicherheit ansteckend auf die gesamte Band auswirkt.

ATOM STRING QUARTET

Das Atom String Quartet ist ein faszinierendes Streichquartett und zugleich eines der besten Jazzensembles Polens. Die Gruppe verbindet die Möglichkeiten des Streichquartetts mit der Freiheit, unkonventionelle Wege zu gehen. Was sie spielt, ist nicht allein vom Jazz inspiriert, sondern auch von der polnischen Folklore, der Musik verschiedener Weltregionen, von klassischer Musik und von Werken bedeutender polnischer Musiker wie dem Jazz-Geiger Zbigniew Seifert oder dem Komponisten
Krzysztof Penderecki. Alle Mitglieder des 2010 gegründeten Quartetts sind Absolventen der Warschauer
Chopin-Musikhochschule. Das jüngste ihrer bislang sechs Alben „Universum“ erschien 2024 bei Warner Music. Die vier musizieren mit einer derartigen Power, dass sie glatt eine Rockband an die Wand spielen könnten. Ihr Repertoire besteht hauptsächlich aus eigenen Kompositionen mit einem sehr originellen Sound. Sie grooven wie die Teufel und bieten Spielkultur auf allerhöchstem Niveau. Wenn sich jemals ein Streichquartett das Prädikat „Band“ verdient hat, dann das Atom String Quartet.

DHAFER YOUSSEF

Dhafer Youssef lebt mal in Tunis, mal in Wien, dann in Paris oder New York. Der Planet scheint seine Heimat zu sein, und musikalisch ist er das ohnehin. Weil er seiner experimentierfreudigen Musikleidenschaft in seiner Heimat nicht ungehindert frönen konnte, verließ er Tunesien als 19-Jähriger und wanderte nach Wien aus. Verwurzelt ist Dhafer Youssef in der arabischen Musik- und Gesangstradition Nordafrikas. Er spielt die Kurzhalslaute Oud, singt, komponiert und ist bei seinen
Konzertauftritten ein redegewandter Entertainer. Als Jazzmusiker aus dem arabischen Raum ist es Dhafer Youssef gelungen, sehr divergente Musiktraditionen miteinander zu verbinden. Der Bogen spannt sich vom US-amerikanischen Jazz und dessen europäische Ausformungen über die Türkei bis zur traditionellen indischen Musik. Aus all diesen Einflüssen schöpft Dhafer Youssef und erschafft daraus sinnliche Melodien und vertrackte rhythmische Strukturen von oftmals berückender Schönheit. Mit seinen treibenden Beats und seiner Offenheit gegenüber elek­ tronischen Klängen hat er seine Musik
auch für ein junges Publikum hochattraktiv gemacht.

...und vielen weiteren regionalen Bands!

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