Die große Finissage
PROGRAMM
16-17 Uhr Kurator Stephan Klee im Gespräch mit Roy Köhnke (zugeschaltet aus Paris)
17-18 Uhr Offene Gesprächsrunde: Konfliktzone Körper - gesellschaftliche Ideale, Strömungen und Konflikte
Der Transhumanismus strebt primär die Optimierung, ja die Überwindung, des menschlichen Körpers nach heutigem Verständnis an. Durch Investmentkapital zusätzlich beschleunigt, zählen für diese Ideologie u.a. Genetik, Bio-Ingenieurwesen, künstliche Intelligenz, Prothetik, Kryonik (Eiskonservierung von Körpern) als Kerntechnologien. Positiv ausgedrückt, soll die humane Species „ermächtigt“ werden: mehr Leitungsfähigkeit, bessere Sinne, höhere und ortsunabhängige Intelligenz, keine Krankheiten und kein Altern mehr. Die idealisierten Humanoiden sind demzufolge unsterbliche „Über-Subjekte“. Deren zukünftige Verwandtschaft zum aktuellen Homo Sapiens verbleibt (noch) spekulativ. Ohne Frage, als Zielobjekt des Transhumanismus steht der humane Körper fundamental im Zentrum unseres Jahresthemas 2026: TRANSHUMAN .
Daher präsentiert der KVG in der zweiten Solo–Ausstellung Being Flesh von Roy Köhnke einen Künstler, der sich explizit mit der aktuellen wissenschaftlichen Erfassung und den sozialen Leitbildern des menschlichen Körpers facettenreich auseinandersetzt: Welche Vorstellung vom menschlichen Körper wird eigentlich in der heutigen Gesellschaft vertreten und wie wird dementsprechend mit Körpern verfahren? Und was macht das mit unserer Erfahrung von Körperlichkeit an sich?
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"Typischerweise erleben wir den menschlichen Körper auf ganz intuitive Weise. Erst wenn etwas in ihm nicht mehr richtig funktioniert werden wir uns über die Tätigkeiten unseres Körpers wirklich bewusst. Ein gebrochener Arm ist schmerzhaft. Erst ein Röntgenbild gibt diesem Schmerz jedoch „objektive“ medizinische Validierung und integriert ihn damit in ein wissenschaftliches System. Die Medizin versieht ihn mit einer Diagnose, schafft Linderung und sorgt letztlich für Heilung.
Die Körper die Roy Köhnke zeigt bedürfen keinerlei Heilung. Was sie den Besuchern und Besucherinnen ermöglichen ist dafür eine quasi-therapeutische Neubetrachtung von Körperlichkeit und davon wie „objektives Wissen" über Körper gewonnen, konstruiert und verbreitet wird."
Was bedeutet es, einen Körper zu haben – und wie verändert sich dieses Verständnis in einer Zeit technologischer Eingriffe und biomedizinischer Innovationen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung »Being Flesh« von Roy Köhnke, die der Kunstverein Göttingen vom 31. Mai bis 26. Juli 2026 im Alten Rathaus präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die Körper fantastischer Lebensformen, deren innere Strukturen Köhnke mittels MRT sichtbar macht. So erscheinen die imaginären Wesen nicht als bloße Fantasiegebilde, sondern als eigenständige Organismen mit einer vielschichtigen Anatomie. Der Körper wird dabei als etwas Persönliches verstanden, das verschiedene Lebewesen mit ihrer Umwelt verbindet.
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