Wissen Sie, was „tiefbegabt“ ist? Das ist, wenn einem manchmal ein paar Sachen aus dem Gehirn fallen und man nie weiß, an welcher Stelle. So geht es Frederico Doretti, genannt Rico, und dennoch erhält er von seinem Lehrer den Auftrag, ein Ferientagebuch zu schreiben. In Ricos Kopf herrscht zwar ein großes Durcheinander und das Denken dauert manchmal bei ihm etwas länger. Aber ein großartiger Erzähler und ein noch genauerer Beobachter seiner Umwelt ist Rico eben doch. Er lebt mit seiner Mutter in der langen und geraden Dieffenbachstraße in Berlin. Denn sich orientieren, links oder rechts abbiegen – das sind für Rico schwer zu bewältigende Hürden, die seine Mutter ihm mit dem Umzug in diese Straße ersparen wollte. Und aus ebenso großer Fürsorglichkeit hat sie ihn ausgestattet mit allem, was er zur Abwehr von Häme und Verunsicherungen benötigt, die er von seiner Umwelt erfährt.

Das perfekte Gegenstück zu ihm ist Oskar: klein, ängstlich, bis zum Bersten angefüllt mit Faktenwissen und – „hochbegabt“. Oskar hat weniger Angst, wenn er mit Rico unterwegs ist. Und Rico freut sich, dass er sich mit Oskar an seiner Seite nicht verirren kann.

Glasklar: Gemeinsam sind die beiden unschlagbar. Und beide wollen den sogenannten Aldi-Kidnapper stellen – ein Kindesentführer, der wegen der preisgünstigen Lösegeldforderung von 2.000 Euro dieses Discounter-Label erhalten hat…

Andreas Steinhöfel ist mit „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ eine wunderbare Menschenstudie gelungen, die den klug-naiven Charme eines „Forest Gump“ mit dem Zauber von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ verbindet - ausgezeichnet mit dem Jugendliteraturpreis als bestes Kinderbuch 2009.
Mit Raffinesse, rabenschwarzem Humor und viel Liebe zu den Figuren hat Regisseur Bernard Niemeyer vom Jungen Theater Bonn das Stück nicht nur für ein Publikum ab 8 Jahren inszeniert, sondern für Menschen jeden Alters.

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