Früher war alles besser: Die Nachbarn haben gegrüßt, der Diesel war ein sauberes Auto, und das Traumschiff konnte noch auf der Straße von Hormus die Badetücher raushängen. Und heute? Da freut man sich über jeden Tag, der ohne neue Seuchen, Reformideen oder Nachrichten auskommt. Was kommt als Nächstes? Am besten nichts Neues.
Wenigstens das Kabarett mit Henning Ruwe und Martin Valenske, bekannt aus der Berliner DISTEL, bleibt spitzenmäßig. Und das ist noch konservativ geschätzt. Wird ja auch Zeit, dass jemand den politischen Versagern die satirische Stirn bietet. Eine Energieministerin wartet seit 53 Jahren erfolglos auf ein Spenderhirn, die SPD ist trotz Lars Klingbeil stabil über 5 Prozent, und der amerikanische Präsident ist so verstrahlt, dass sich mit ihm drei Atomkraftwerke betreiben ließen. Da kann auch der routinierteste Kabarettgänger schon mal die Orientierung verlieren. Die Humorprofis Ruwe und Valenske geben Halt und haben zu jedem Problem eine unangemessene Pointe parat.
Sie ringen jeder schwierigen Weltlage doch noch einen gemeinen Lacher ab – manchmal unfreiwillig, aber immer sehr komisch. Denn die Sachlage ist eindeutig: Satire muss endlich wieder absurder werden als die Wirklichkeit! In ihrem bereits fünften gemeinsamen Duo-Programm zeigen die preisgekrönten Künstler gekonnt, wie man bei so viel künstlicher Intelligenz und menschlicher Dummheit nicht ganz aus der Fassung gerät. In Zeiten planloser Aufrüstung locken sie die Politik aus der Reserve, mustern untaugliche Minister und halten die Satirefront zusammen. Mit Leichtigkeit und spitzem Humor gelingt hier, was zwischen Krieg und Klimakrise oft schwerfällt: über wirklich relevante Dinge zu reden – immer witzig und brutal aktuell. Ein Muss für alle Freunde des echten politischen Kabaretts.

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Katharina Bodmann

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