„Nichts ist so beständig wie der Wandel“ – dieses Zitat, welches dem griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos zugeschrieben wird, trifft wohl auf alle Bereiche des Daseins zu. Alles ist im Fluss, nichts ist von Dauer und bleibt, wie es ist. Ein Wandel ist unvermeidlich. Übertragen auf die kulturelle Szene einer Stadt bedeutet das: Veranstaltungsformate und -orte kommen und gehen, öffnen und schließen wieder ihre Pforten, bis etwas Neues entsteht. Doch Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel, eine solche könnte zum Beispiel der Nörgelbuff sein. Der kleine Liveclub in der Groner Straße 23 in Göttingens Innenstadt – unweit vom Wahrzeichen „Gänseliesel“ entfernt – hat sich über die Jahrzehnte hinweg zu einer äußerst beliebten und festen Kulturinstitution der Universitätsstadt an der Leine entwickelt. Generationen von Gästen halten ihm bis zum heutigen Tage die Treue. Und dies zu Recht. Das liegt zum einen sicher an dem abwechslungsreichen und vielfältigen Programmangebot. Zum anderen haben vielleicht auch seine sehr lange Geschichte, das gemütliche Ambiente und der recht ungewöhnliche Name einen Anteil daran, doch dazu später mehr.
Klein aber fein: Die Räumlichkeiten des Nörgelbuff fassen (bestuhlt) gerade einmal 80 Personen.
Zum kostenlosen kulturis-Newsletter anmelden und nichts mehr verpassen!
Wir informieren dich immer freitags über die Veranstaltungstermine der kommenden Woche, spannende Kulturthemen und neue Funktionen bei kulturis.
Schon vor 56 Jahren, also 1970, veranstaltete der gemütliche Club Konzerte mit damals aufstrebenden oder schon sehr bekannten Prominenten wie zum Beispiel den Liedermachern Reinhard Mey und Hannes Wader oder dem Komiker Otto Waalkes. Jahre später gesellten sich internationale Bluesgrößen, beispielsweise Bobby Mack und Junior Wells hinzu, oder auch Schlagzeug-Ass William Scott „Bill“ Bruford. Das Musikmagazin Rolling Stone führte Bruford vor 10 Jahren auf Platz 16 in der Kategorie der 100 größten Schlagzeuger aller Zeiten. Bruford wurde besonders durch seine Mitgliedschaft in einigen sehr bedeutenden Progressive-Rock-Bands bekannt, zu nennen wären da Yes, King Crimson oder auch Genesis. Der Nörgelbuff steht für persönlich gestaltete Konzertabende mit lokalen, aber auch überregional bekannten Künstlerinnen und Künstlern, die sich im Kellergewölbe das Mikrofon in die Hand geben. Klein, aber fein, möchte man sagen, denn der Club bietet bestuhlt lediglich 80 Personen Platz. Ohne Stühle passen maximal 120 Personen hinein. Doch kommt es nicht auf die Größe an, denn das Veranstaltungskonzept trifft ganz offensichtlich den Nerv und Geschmack des Publikums. So ein Erfolg fällt natürlich nicht vom Himmel. Damit das auch in Zukunft so bleibt, sorgt seit 2007 der Trägerverein des Nörgelbuffs namens „Out-O-Space Rockbüro Göttingen e.V.“ mit engagierten Ehrenamtlichen dafür.
Mit unserem Kulturmagazin kulturis spricht Johannes Förster über den Nörgelbuff und erzählt unter anderem, was den Liveclub aus seiner Sicht so einzigartig macht. Aufgrund seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Nörgelbuff-Trägervereins „Out-O-Space Rockbüro Göttingen e.V.“ sowie als Geschäftsführer vom Jazzfestival Göttingen e.V. ist Förster eng mit der örtlichen Kulturszene verwurzelt. Zudem stand er schon selbst als Schlagzeuger auf der Nörgelbuff-Bühne.
Vor den Veranstaltungen gibt es immer viel zu tun. Johannes Förster mit Cord Haver auf der Bühne des Nörgelbuff.
Johannes, mit was beschäftigst du dich in erster Linie im Nörgelbuff?
Wie du schon sagtest, bin ich der Vorsitzende des Trägervereins. Für den Nörgelbuff verantworte ich hauptsächlich administrative Tätigkeiten. Man sagt ja, dass die Buchhaltung zum Beispiel nicht so beliebt sei. Ich finde, sie ist gar nicht so schlimm (lacht). Was mir auch noch große Freude bereitet, das ist die Nachwuchsförderung für die Bühne. Das finde ich toll.
Der Nörgelbuff blickt ja auf eine lange Tradition zurück. Warum sollte man ihn unbedingt besuchen?
Unser Nörgelbuff ist deutschlandweit so ziemlich einmalig. Wir bieten ein vielfältiges Programm zu erschwinglichen Preisen in gemütlicher, fast intimer Atmosphäre. Und das seit über 50 Jahren über die Grenzen Göttingens hinaus. Durch die Feldsteinmauern und mit dem Holzparkett besitzen wir ein einzigartiges Ambiente. Das ist zum einen natürlich ein Vorteil. Zum anderen ist der Club aufgrund seiner baulichen Gegebenheiten und seiner Lage im Keller leider nicht barrierefrei. Der Nörgelbuff hat aufgrund seiner Baulichkeit Bestandsschutz. Das ist sehr schön, beschränkt aber auch die Möglichkeiten, zum Beispiel für Erweiterungen. Wenn wir den Club länger als drei Monate schließen würden, wäre der Bestandsschutz weg. Als Liveclub öffnen wir ausschließlich an unseren Veranstaltungstagen. Wir haben wiederkehrende Events und Partys, eine Spielstunde mit Betreuung – quasi als niederschwelliger Zugang auf die Bühne –, die Talentschmiede „Milchbar“ für junge Künstlerinnen und Künstler, eine Improshow mit „Improsant“, die offene Lesebühne „SprachlabOhr“ und, und, und. Außerdem veranstalten wir etwa alle zwei Monate die Indie-Party „Ich geh’ heut’ tanzen“. Auch sind wir einer der Veranstaltungsorte für die Comedy-Veranstaltung „KomischeNacht“. Und wir haben eine eigene Hausband. Am besten ist es, einfach mal vorbeizuschauen. In der Regel öffnen wir eine halbe Stunde vor Beginn und schließen ein bis zwei Stunden nach Konzertende. So bleibt noch genügend Raum für eine gute Zeit auch nach Ende der Veranstaltungen.
Johannes Förster mit den Ehrenamtlichen Cord Haver und Jonas Schönekäs (v.l.n.r.)
Wie sieht es denn mit dem Arbeitsanfall aus, ist er recht hoch?
Ohja. 130 Veranstaltungen im Jahr sind keine Seltenheit. 2024 waren es sogar 182. Fast alles wird ehrenamtlich erledigt. Dadurch, dass viele Künstlerinnen und Künstler bei uns auftreten möchten, haben wir eine hohe Nachfrage nach Veranstaltungsmöglichkeiten. So trudeln etwa 30 bis 50 E-Mails von Menschen bei uns ein, die im Nörgelbuff auftreten möchten. Und das pro Tag. Unser Anspruch ist, dass wir jeder regionalen Band eine Bühne geben möchten. Fehlt es an Equipment, können wir auch damit aushelfen und betreuen. Wir haben zum Glück ein tolles Publikum und gehen sehr respektvoll miteinander um. Das ist prima und macht es einfacher.
Hast du Wünsche für die Zukunft und bist du zufrieden, wie es läuft?
Das bin ich schon. Über etwas mehr Unterstützung seitens der Stadt und des Landkreises Göttingen würden wir uns natürlich freuen. Während der Corona-Pandemie haben wir uns aber schon große Sorgen gemacht. Unser Veranstaltungsbereich ist zwar regelmäßig in den Medien präsent. Trotzdem bleibt es ein Zuschussgeschäft, obwohl wir gute Besuchszahlen haben. Wenn also jemand unsere Arbeit, unser Live-Programm, insbesondere die Rock- und Pop-Sessions, Lesungen und Nachwuchskonzerte unterstützen möchte, freuen wir uns über jede Spende an unseren Trägerverein „Out-O-Space Rockbüro Göttingen e.V.“. Auch eine aktive Mitarbeit oder (Förder-)Mitgliedschaft im Verein hilft uns weiter. Denn der Nörgelbuff lebt nun mal vom ehrenamtlichen Engagement vieler. Wenn also Interesse besteht, bitte uns einfach ansprechen oder vorbeikommen.
Damit der gute Ton stimmt: Jonas Schönekäs (Teil des Ehrenamts-Teams) prüft die Einstellungen des Tonmischpults
Apropos Rockbüro. Befindet es sich auch im Nörgelbuff und was sind die Aufgaben?
Nein, das seit 1993 bestehende Rockbüro und ein Teil unseres Archivs sind im Hagenweg 2a untergebracht, da, wo sich auch das Kulturzentrum Musa befindet. Neben dem Betreiben des Nörgelbuffs verteilen wir gemeinsam mit der Stadt Göttingen unter anderem Fördergelder für Festivals und andere Veranstaltungen. Darüber hinaus organisieren wir Workshops, Konzerte sowie weitere Events, um die Göttinger Musikszene zu stärken beziehungsweise weiter zu vernetzen. Nicht zu vergessen: Unsere langjährige Erfahrung in der Musik- und Veranstaltungsbranche geben wir natürlich auch gerne an Dritte weiter. Das ist aber noch nicht alles, auf unserer Homepage www.rockbuero-goettingen.de stehen noch weitere Aktivitäten. Hierbei unterstützen wir nicht nur Rockmusik.
Zurück zum Nörgelbuff – Was hat es eigentlich mit diesem doch sehr ungewöhnlichen Namen auf sich?
Diesen originellen Namen hat sich der erste Betreiber, der Berliner Kabarettist Rolf Linnemann, ausgedacht. In seinen Gedichten tauchten oftmals sogenannte „Buffe“ auf, die man sich am besten als kleine Kobolde vorstellen kann. Weil Linnemann meinte, Göttinger Studenten nörgelten zu viel, taufte er seinen Kellerclub eben auf diesen Namen. Wenn man sich für die weitere Geschichte, das Entstehen des Clubs und die Entwicklung in der Groner Straße interessiert: Auf der Homepage noergelbuff.de/geschichte gibt es darüber jede Menge Informationen, die schon im Jahre 1180 ihren Anfang nahmen.
Fokus
Im Artikel genannt
Im Artikel genannt
Nörgelbuff
Live-Club im Herzen Göttingens
Out-O-Space Rockbüro Göttingen
Wir supporten Künstler*innen und Veranstalter*innen.
Kommentare