In der Regel alle zwei Jahre zieht Hann. Münden Kunstliebhaber und Kulturfreundinnen aus nah und fern wie ein Magnet an. Denn bereits zum achten Mal wird in der gemütlichen Fachwerkstadt im Süden Niedersachsens das DenkmalKunst-KunstDenkmal-Festival (DKKD) veranstaltet. Das Großereignis, zu dem wieder einige tausend Besucherinnen und Besucher erwartet werden, beginnt am 3. Oktober und bietet seinen Gästen bis zum 11. Oktober ein buntes, abwechslungsreiches Programm. Dass das DKKD überhaupt existiert, ist einem Protest aus dem Jahr 2007 zu verdanken. Die Idee hat nämlich ihren Ursprung im erfolgreichen Widerstand gegen Abrisspläne und Vernachlässigung der historischen Fachwerkhäuser in der Hann. Mündener Altstadt. Etliche Denkmäler fanden aufgrund dessen neue Liebhaber und wurden instand gesetzt. Das DKKD wirkt dabei als ein wichtiger Baustein im Bestreben um den Erhalt des Fachwerks. So werden zum Beispiel vor Beginn des Festivals die Häuser von Ehrenamtlichen gründlich gesäubert, um die Ausstellungsräume für die Kunst herzurichten. Somit eine Win-win-Situation für die Eigentümer, Veranstalter und alle Beteiligten.
Zum kostenlosen kulturis-Newsletter anmelden und nichts mehr verpassen!
Wir informieren dich immer freitags über die Veranstaltungstermine der kommenden Woche, spannende Kulturthemen und neue Funktionen bei kulturis.
Hiltrud Esther Menz aus Gleichen-Reinhausen beim Aufhängen eines ihrer Werke. Die Künstlerin stellt in der Ziegelstraße 4 aus. Sie malt und zeichnet auf verschiedenen Materialien.
Und das ist auch gut so: Denn der Bekanntheitsgrad des Festes wächst deutschlandweit und über die Grenzen hinweg. Der etwas morbide Charme verlassener Gebäude ist bei Künstlerinnen und Künstlern sehr beliebt und bei den Fans vom DKKD sowieso. Apropos Beteiligte: Solch eine Veranstaltung über mehrere Tage benötigt viele helfende Hände. Die historischen Gebäude müssen vorbereitet, die Künstlerinnen und Künstler ausgewählt und Bühnenprogramme beziehungsweise Mitmach-Aktionen sowie Unterkünfte und Verpflegung für alle kreativen Köpfe organisiert werden. Nicht zu vergessen die Partnersuche für Spenden und Fördermittel. Ein wahrer Kraftakt und nicht von heute auf morgen schnell zu erledigen. Zum Glück können die Organisatoren auf etliche Mitstreiter und Helferinnen zurückgreifen. Neben den Vereinsmitgliedern vom DenkmalKunst e.V. helfen auch etwa 180 engagierte Bürgerinnen und Bürger tatkräftig mit. Besonders schön dabei sei, dass unter den 180 Helfern auch junge Menschen dazu gekommen seien, um anzupacken. Erstmalig unterstützen auch Hauptamtliche der Hann. Münden Marketing das ehrenamtliche Team in Sachen Vertragsabschlüsse oder Bühnentechnik. Ziel dabei sei es, das DKKD noch mehr sichtbar zu machen.
Das Vorstands-Team des DKKD wird von vielen weiteren DKKD-Mitgliedern und rund 180 engagierten Bürger:innen unterstützt, ohne die das Festival nicht möglich wäre!
Doch warum sollte man sich ab dem 3. Oktober auf den Weg nach Hann. Münden begeben?
Erstens: „Weil es kaum ein Festival gibt, was so eine Bandbreite und Fülle bietet. Wer sich für Kunst, Kultur, Klassik, Jazz, Comedy, Architektur, Rock oder Lost Places begeistert, sollte uns in Hann. Münden unbedingt besuchen. Nicht zu vergessen die Workshops und Mitmach-Angebote. Unsere Stadt verändert sich für neun Tage in eine sehr pulsierende. Etwa 130 Künstlerinnen und Künstler sowie über 40 Bühnen-Acts aus allen Teilen Deutschlands sind hier, auch aus Österreich. Bauwerke, die nicht jeden Tag für die Öffentlichkeit zugänglich sind, öffnen ihre Türen. Unser Bahnhof zum Beispiel ist erstmalig auch mit dabei. Er feiert in diesem Jahr sein 170. Jubiläum. Darüber hinaus gibt es während des Festivals mindestens fünf Abendveranstaltungen. Und vor schlechter Witterung braucht auch niemand Sorge zu haben, denn das DKKD ist wetterfest. Dieses Jahr wird es auch ein Festival-Tagebuch geben“, freut Cornelia Schulze, mit zuständig für Marketing, Werbung, Internet- und Pressearbeit.
Auch Ingrid Krieser-Demuth aus Katlenburg/Northeim stellt in der Ziegelstraße 4 aus. Ihr Malerei-Studium schloss sie 2024 ab. Sie entwickelte besondere Methoden des Zusammenführens von Acrylmalerei, Druck und Wachstechniken.
Kunst und Kultur genießen in Gebäuden, die sonst verschlossen sind
Und zweitens: Weil die sonst verschlossenen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gebäude für sich allein genommen schon echte Hingucker sind, in denen es so einiges zu entdecken gibt. Da ist zum Beispiel das Fachwerkhaus in der Ziegelstraße 4 unweit des Kirchplatzes. Das Gebäude steht in einer 1A-Innenstadtlage. Es war und ist noch immer sehr repräsentativ und bietet von seinen Fenstern aus einen tollen Blick auf das gegenüberliegende, nicht minder schöne Rathaus. 1910 war das Haus noch verputzt gewesen, bis es dann drei Jahre später vom Putz „befreit“ wurde. Wenn man sich darauf einlässt, kann man – abgesehen von den dort gezeigten Kunstwerken – auch für sich entdecken, wie die Menschen dort einst lebten. Das gilt natürlich auch für die anderen Denkmäler aus Stein. Bei einem Streifzug durch die Häuser werden längst vergangene Zeiten für einige wenige Tage wieder erkenn- und fühlbar.
Neben Kunst gibt es im Rahmen des DKKD auch viele Konzerte, Workshops und weitere begleitende Veranstaltungen.
Um zu wissen, wo man überall teilnehmende und geöffnete Denkmäler finden oder Eintrittskarten erwerben kann, ist gute Information wichtig. Dafür gibt es während der Festivalzeit extra zwei zentrale Anlaufpunkte in der Innenstadt. Zum einen der Info-Point an der südlichen Seite der St. Blasius-Kirche, gut erkennbar am großen DKKD-Würfel. Zum anderen der Service-Point im Geschwister-Scholl-Haus gegenüber vom Welfenschloss. Beide genannten Orte sind die „Hotspots“ der Veranstaltung und in der Zeit von 10.45 Uhr bis 19.30 Uhr ständig besetzt. Dort sind Tickets, Programmhefte sowie andere Informationen erhältlich. Plätze bei den Veranstaltungen seien nicht reservierbar. Wer sich vorab eine Dauerkarte über die gesamten neun Tage sichern möchte, ist mit 50 Euro dabei. Im Preis enthalten sind auch die Abendveranstaltungen. Dieses Schnäppchen ist bis zum Beginn des Festivals erhältlich. Danach kostet es nur 10 Euro mehr. Beim Katalog war es zudem sogar möglich, den Preis von früher fünf Euro auf nunmehr drei Euro zu senken. Alle teilnehmenden Denkmäler sind extra gekennzeichnet und bereits von Ferne mit ihren DKKD-Fahnen an den Fassaden gut sichtbar. Die Öffnungszeiten für sämtliche Ausstellungen sind vom 3. bis zum 10. Oktober in der Zeit von 11 Uhr bis 17 Uhr. Am 11. Oktober in der Zeit von 11 Uhr bis 16 Uhr. Welche Häuser ganz oder zum Teil barrierefrei sind, erfährt man entweder an den Denkmälern selbst, an den zwei Info- und Servicepunkten und natürlich im Programmheft. Das Spektakel bietet erneut verschiedene Kunst- und Lichtinstallationen sowie darstellende Kunst im öffentlichen Raum, also an den Flüssen, auf den Plätzen und Straßen. Diese Orte sind alle kostenlos besuchbar und barrierefrei erreichbar.
Besucher:innen sind nicht nur eingeladen, besondere Kunst zu entdecken, sondern auch ansonsten unzugängliche Gebäude kennenzulernen.
Selbstverständlich muss niemand auf kulinarische Leckereien verzichten. Das vor vier Jahren erprobte Gastronomiekonzept hatte sich bewährt und wird fortgeführt. Nach Schließung der Ausstellungen um 17 Uhr ist somit ausreichend Zeit vor den Abendveranstaltungen, um die entsprechenden Angebote nutzen zu können. In der Cafeteria „Graffiti“ im Erdgeschoss des Geschwister-Scholl-Hauses versorgt das Team vom Stadtjugendring und Mehrgenerationenhaus mit einem Frühstücksangebot. Tagesgerichte, kleine Snacks und verschiedene Getränke sind ebenfalls im Sortiment. Während des Festivals ist die Cafeteria auch ein Treffpunkt für die ausstellenden Künstler, Gäste, und Einheimische. Wer mit Kunstschaffenden ins Gespräch kommen möchte, wird dort sicher fündig.
Das DKKD-Festival in Hann. Münden ist mehr als nur eine Veranstaltung. Es ist eine Liebeserklärung an die Denkmäler! Wenn Sie also gerne einmal die Rotunde, den Fährenpfortenturm oder sehenswerte Kunst, zum Beispiel am Weserstein, unter die Lupe nehmen möchten, dann runter vom Sofa und nichts wie hin nach Hann. Münden! Bei einer Anfahrt mit dem Zug kommen die Reisenden übrigens sofort mit dem DKKD unmittelbar in Kontakt: Der 170 Jahre alte Bahnhof – er wurde 1856 errichtet – ist nämlich eines der teilnehmenden Festival-Gebäude.
Viele weitere nützliche Informationen mit interessanten Hintergründen sind hier auf kulturis und auf der Homepage unter https://denkmalkunst-kunstdenkmal.de zu finden. Viel Spaß und Freude beim Entdecken und Erkunden!
Kommentare