Ob Luxus-Jet, Rolex-Uhr, oder wie jüngst ein eigenes Fußball-Trikot – unter Donald Trump sind Staatsgeschenke wieder medial präsenter geworden, doch die Tradition, durch Geschenke die diplomatischen Beziehungen zu anderen Staaten zu verbessern, ist nicht neu. Das Land Niedersachsen verschenkt seit 1957 als Staatsgeschenk ein von der Porzellanmanufaktur Fürstenberg gefertigtes Niedersachsenross, welches vom Werksmodelleur Walter Nitzsche entworfen wurde.
Der Museumsleiter des Museums Schloss Fürstenberg, Dr. Christian Lechelt, erzählt euch im Folgenden die Geschichte eines deutlich älteren Staatsgeschenks, welches ebenfalls aus dem Hause Fürstenberg stammt.
Was ist das?
In der Sammlung des Museums Schloss Fürstenberg befindet sich ein kostbares, in der Zeit um 1770 angefertigtes Kaffeeservice in einem Präsentationskoffer. Dazu gehört eine Urkundenmappe, die ein aufwändig von Hand gemaltes und geschriebenes Blatt enthält, das den Geber, den Empfänger und den Anlass des Geschenks benennt: Bundespräsident Heinrich Lübke (1894–1972) verehrte das Service Prinz Louis Napoléon Jérôme Bonaparte (1914–1997) im Jahr 1968 anlässlich der Übergabe des Palais Beauharnais in Paris an die Bundesrepublik. Das Gebäude war bis 1944 die Botschaft des Deutschen Reichs gewesen, nun erhielt es seine frühere Funktion wieder zurück.
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„Kaffee-Service der Fürstenberger Porzellan-Manufaktur entstanden um 1770 überreicht S. K. H. Prinz Louis Napoléon Jérome anläßlich der Übergabe des Palais Beauharnais im Februar 1968 durch den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland und Frau Lübke“
Warum ist das ein besonderes Objekt?
Porzellan im Dienst der Diplomatie zu sehen, mag erst einmal ungewöhnlich erscheinen. Tatsächlich gibt es aber eine jahrhundertelange Tradition, verdiente UntertanInnen, befreundete HerrscherInnen sowie Staatsmänner und -frauen mit Präsenten aus dem „weißen Gold“ zu würdigen. Mitte des 18. Jahrhundert waren solche Geschenke geradezu üblich an und zwischen den Höfen Europas. Doch auch zweihundert Jahre später konnte ein Porzellangeschenk in staatliche Dienste der Bundesrepublik Deutschland treten.
Was erzählt es über Südniedersachsen und Fürstenberg?
Aber warum wählte der Bundespräsident historisches FÜRSTENBERG Porzellan als Geschenk? Damit wurde an die kurzzeitige Verbundenheit der Manufaktur mit der Familie Bonaparte erinnert. Denn als Jérôme (1784–1860), der jüngste Bruder von Napoleon Bonaparte, von 1807 bis 1813 über das Königreich Westphalen herrschte, gehörte Fürstenberg zu seinem Herrschaftsgebiet und war „manufacture royale“.
Wie kam es ins Museum?
Nachdem das einmalige Staatsgeschenk 2021 überraschend im Kunsthandel auftauchte, konnte es für die Museumssammlung erworben werden.
Wo kann man es sehen?
Im Museum Schloss Fürstenberg im Schaumagazin, der öffentlich zugänglichen „Schatzkammer“ des Museums.
Über das Museum Schloss Fürstenberg:
Das Museum Schloss Fürstenberg bietet mit seinem modernen und vielfältigen Ausstellungskonzept Spaß und Infotainment für alle Generationen. Mit der umfangreichen Dauerausstellung und einem Programm aus Sonderausstellungen und Aktionen werden nicht nur die Historie der Manufaktur und die Technologie der Porzellanherstellung für die Besucher*innen erlebbar gemacht. Vielmehr öffnet das Wissen über die Bedeutung von Porzellan in den Lebenswelten der Menschen einen neuen, spannenden Zugang zu Geschichte und Kultur verschiedener Epochen.
Das Museum Schloss Fürstenberg befindet sich mitten im Weserbergland im ehemaligen Grenzposten und Jagdschloss der braunschweigischen Herzöge. Es zeigt in verschiedenen, teilweise interaktiven Ausstellungsbereichen auf rund 1.900 Quadratmetern und auf drei Stockwerken die Herstellungs- und Kulturgeschichte von Fürstenberg Porzellan. Der Werksverkauf ist ganzjährig geöffnet und bietet alle Produkte der aktuellen Fürstenberg und Sieger by Fürstenberg Kollektion.
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