Großes Jubiläumsfest an der „Grube Samson“ in St. Andreasberg

Die alte Bergstadt hatte im Juli gleich viermaligen Grund zum Feiern.

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Gleich vierfachen Grund zum Feiern hatte St. Andreasberg im Juli. Denn in diesem Jahr jähren sich verschiedene Gründungsjubiläen in der altehrwürdigen ehemaligen Freien Bergstadt im Oberharz. Neben der Gründung des Geschichtsvereins und des ersten Bergwerksmuseums am Bergwerk „Roter Bär“ 1931 (jeweils 95 Jahre), jährt sich auch der Beginn des Museumsbetriebes an der „Grube Samson“ 1951 (75 Jahre) sowie die Eröffnung des weltweit einzigen Kanarienvogel-Museums im Schachtgebäude der „Grube Samson“ (25 Jahre). Insgesamt also 290 Jahre gelebte Geschichte, die gefeiert werden musste.

Das einstige Bergwerk ist nicht irgendeines. Bergleute förderten hier von 1521 bis 1910 vor allem besonders wertvolles Silbererz. Das Areal gehört zum Welterbe der Menschheit und zu den bedeutendsten Montan-Denkmalen Europas. Das jetzige Gebäudeensemble zählt zu den wenigen noch komplett erhaltenen Bergwerken und zeugt von dem historischen Oberharzer Erzbergbau. Im Grubenschacht wird mithilfe der Wasserkraftanlagen des früheren Bergbaus nachhaltiger Strom für St. Andreasberg erzeugt, ein wahrer Schatz also.

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Außengelände der Grube Samson
Alle Rechte vorbehalten — Ralf Gießler

Das Außengelände der Grube Samson im Rahmen des Jubiläumsfestes

Anlass genug für eine mehrtägige Veranstaltung, beginnend mit einem Vortrags- und Diskussionsabend zu den Themen Welterbe, Nationalpark und Denkmalschutz am 07. Juli im Nationalparkhaus. Die Eröffnungsfeier mit Festkommers und gemütlichem Beisammensein folgte am 10. Juli im Kleinen Saal des Kurhauses. Auch hier gab es Vorträge über die Anfänge des Bergbaus in St. Andreasberg, die Musealisierung an den Bergwerken „Roter Bär“ und „Grube Samson“ sowie zu den aktuellen Zukunftsgestaltungen der Bergstadt. Den Abschluss der Festivitäten bildete am 11. Juli ein Handwerkermarkt mit Familienfest sowie viel Live-Musik an historischer Stelle im und auf dem Areal der „Grube Samson“. Eingeladen dazu hatten die Stadt Braunlage, die Geschäftsführung der „Grube Samson“ und der St. Andreasberger Verein für Geschichte und Altertumskunde e.V.

Bei strahlendem Sonnenschein und sehr warmen Temperaturen nutzten viele Gäste aus nah und fern den „Tag der Offenen Tür“ in den obertägigen Anlagen und im Bergwerksmuseum. Führungen an der benachbarten Grube „Catharina Neufang“ waren ebenso möglich. Sie gehört zu den Ältesten in St. Andreasberg, erstmals 1575 erwähnt. Wahrscheinlich ist sie aber noch älter, denn der Betriebsbeginn wird auf 1570 datiert. Wie ihr Name hinweist, war sie die erste Grube, auf der ein neuer Erzgang entdeckt wurde. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz besaß an ihr Anteilsscheine, sogenannte „Kuxe“. Heute sind der neue Förderstollen sowie die alte Aufschlagrösche noch zu sehen.

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Eine Frau und ein Mann schmieden
Alle Rechte vorbehalten — Ralf Gießler

Schmiede bei ihrer schweißtreibenden Arbeit

Die Organisatoren hatten sich zum Familienfest vieles einfallen lassen, um den Besucherinnen und Besuchern kurzweilige Stunden bieten zu können. So konnte man beispielsweise Schmieden bei ihrer schweißtreibenden Arbeit hautnah zusehen, geklöppelte Handarbeiten und das gewaltige Wasserrad in Aktion bestaunen oder sich im Bergwerk selbst alte Gerätschaften sowie die Fahrkunst erklären lassen. Sie wurde im 19. Jahrhundert in Clausthal-Zellerfeld erfunden und 1837 in den Schacht eingebaut. Durch diese bahnbrechende Erfindung ist das Ein- und Ausfahren der Bergleute enorm erleichtert worden. Immerhin dauerte ein Absteigen in die bis zu 770 Meter Tiefe des ehemals tiefsten Bergwerks der Welt über Holzleitern 1,5 Stunden, das Aufsteigen sogar mit 2,5 Stunden eine Stunde länger. Und dies nach einer langen, sehr anstrengenden Schicht im Berg. Weltweit ist die Fahrkunst der „Grube Samson“ die einzige noch funktionierende Anlage dieser Art und wird regelmäßig von Technikern der Harz Energie für Wartungsarbeiten der Stromturbinen genutzt. Bis zu 190 Meter geht es heute noch bei einer Befahrung dann hinunter in die Dunkelheit. Alle tieferliegenden Grubenbaue stehen mittlerweile unter Wasser. Wer die Fahrkunst einmal live in Aktion sehen möchte, sollte sich Mittwoch, den 23. Dezember, dick im Kalender ankreuzen. Dann wird nämlich im Rahmen der Veranstaltung „Lichterglanz im weihnachtlichen Samson“ die Fahrkunst in Betrieb gezeigt und das Museum ist mit 500 Kerzen stimmungsvoll beleuchtet. Der Beginn der Veranstaltung ist um 18 Uhr.

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Nachbildung Fahrkunst
Alle Rechte vorbehalten — Grube Samson

Dieses Foto zeigt die Fahrkunst in der Grube Samson und deren Funktion: die Plattformen an den beiden Seilsträngen bewegen sich auf und ab. Die Bergmänner wechselten regelmäßig beim Ab- bzw. Aufstieg zwischen den beiden Seiten.

Doch auf die Lorbeeren vergangener Zeiten möchten sich die Verantwortlichen für die historischen Anlagen nicht ausruhen. Die „Grube Samson“ befindet sich nämlich in einem großen Transformationsprozess. „In den kommenden Jahren werden die als Welterbe und Denkmal geschützten Bergwerksgebäude saniert, erweitert und neu musealisiert. Fehlende Infrastrukturen werden durch einen spektakulären Neubau ergänzt und Nutzflächen neu gestaltet. Gleichzeitig werden das Lehrbergwerk „Roter Bär“ und weitere Bergwerksanlagen am „Beerberg“ erschlossen, erforscht und erlebbar gemacht. Die Geschichte von St. Andreasberg soll so auch in Zukunft mit einer hohen Bedeutung gewürdigt werden, um zusätzliche Gäste für den Bergbau im Harz zu begeistern. Da unsere Zukunft aus Vergangenheit erwächst, wollen wir Traditionen bewahren und unsere Kulturgeschichte feiern“, heißt es in einer Information. Der 658 Meter hohe „Beerberg“ östlich von Sankt Andreasberg gelegen, ist für seine reiche Bergbaugeschichte und guten Wintersportmöglichkeiten bekannt, somit also bestens dafür geeignet.

Wissenswerte und weitere vertiefende Informationen rund um die „Grube Samson“ sind auf der Homepage unter www.grube-samson.de hinterlegt. Denn ein Besuch der Anlagen lohnt sich in jedem Fall.

Verfasser:in

Ralf Gießler

Journalist und Autor des kulturis-Magazins

Fokus

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Im Artikel genannt

Im Artikel genannt

Grube Samson

Bergwerk | Museum | Erlebnis

Adresse
Am Samson 2, Sankt Andreasberg
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Stollen der Grube Samson

Lichterglanz im weihnachtlichen Samson

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Feier mit Essen, Getränken und Musik in und an der Grube Samson. Stimmungsvoller Abend im mit 500 Kerzen erleuchteten Museumsbergwerk Besonderheit: Die Fahrkunst wird im Betrieb gezeigt Musik: Es spielen und singen der Heimatbund und der Waldarbeiter-Instrumental-Musikverein St. Andreasberg Essen &...

Grube Samson

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