stille hunde: »Wolfsjahre«

Szenische Lesung des Dokumentartheaterstückes

Begleitend zur Ausstellung »Auschwitz Birkenau« im Kunsthaus Göttingen laden wir Sie am Mo. 19.5.25 um 19 Uhr zur Inszenierung des Stückes »Wolfsjahre« der freien Theaterformation »stille hunde« (Göttingen) in das Günter Grass Archiv, Düstere Straße 6, ein.

Heinrich Anton Wolf gehörte zu den Juristen im nationalsozialistischen Deutschland, denen auch in der jungen Bundesrepublik alle Türen offen standen. Als Mitglied der NSDAP und begeisterter Anhänger der völkischen Idee war der junge Jurist verantwortlich für eine Rechtsprechung, in der Staatsraison und ideologische Ausrichtung Vorrang eingeräumt wurde vor Gerechtigkeit und Achtung der Menschenwürde. Durch Falschaussagen und Gefälligkeitsgutachten entlastet, konnte er nach Kriegsende jedoch seinen beruflichen Werdegang fortsetzen und hohe juristische Ämter ausüben. Die vom hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer angekündigte Überprüfung aller leitenden Beamten bewegte ihn zum Ausscheiden aus dem Staatsdienst und zur Annahme eines Mandats im Hessischen Landtag. Danach war er noch für vier Jahre als Landrat des Landkreises Limburg-Weilburg tätig. Sechsundsiebzigjährig starb er 1984 als öffentlich geehrter Mann. Erst fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod wurden seine Verfehlungen in der NS-Zeit publik gemacht und die offiziellen Würdigungen seiner Arbeit skandalisiert. Heute steht der Name Heinz Wolf für Opportunismus, persönliche Skrupellosigkeit, das Wirken von Seilschaften, die Ignoranz von bundesdeutschen Behörden und einen zynischen politischen Pragmatismus in der westdeutschen Nachkriegszeit.

Der Kriminalist, Autor und Publizist Dieter Schenk hat sich der Lebensgeschichte Heinz Wolfs angenommen und ein monologisches Dokumentartheaterstück nach historischen Quellen erstellt, das die Karriere eines überzeugten Nationalsozialisten in der Bundesrepublik Deutschland als Lehrbeispiel für fragwürdige Kontinuitäten zeigt. stille hunde stellt den Theatertext als mehrstimmige Leseperformance vor.

 

19. Mai 2025
19 Uhr, Einlass 18.30 Uhr

Eintritt
10-15 €, erm. 5-8€

Günter Grass Archiv 
Düstere Straße 6, Göttingen

Reservierungen
anmeldung@kunsthaus-goettingen.de

In Kooperation
mit der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (Günter Grass Archiv)

Mitwirkende

Mitwirkende

Nächste Termine

Nächste Termine

Kontakt

Kommentare

Kommentare

Ähnliche Angebote

Ähnliche Angebote
  • 4. Kulturmarkt Südniedersachsen

    Mehrmals wegen der Corona-Krise verschoben, findet nun seit langem wieder ein Netzwerktreffen der regionalen Kulturszene statt. Eingeladen sind Kulturschaffende und Akteure aus Kultureinrichtungen und...

  • „Wir drehen ein Filmportrait“

    Workshop im Rahmen des Projekts #kultursichtbar

    Im Rahmen des Programms „ Kultur.Gemeinschaften“ der Kulturstiftung der Länder aus Mitteln der Beauftragten für Kultur und Medien konnte der Landschaftsverband Mittel für das Projekt #kultursichtbar...

  • Bild
    Scharfrichterführung

    Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter

    Erlebnisführung in Duderstadt

    Wir schreiben das Jahr 1524. Seit 25 Jahren ist „Meister Hans“ als Scharfrichter für die Stadt Duderstadt tätig und weiß einiges über seinen nicht ganz alltäglichen Beruf zu berichten. Zu den...

  • Bild
    historischer Stadtrundgang

    Historischer Stadtrundgang durch Duderstadt

    Entdecken Sie und Ihre Gruppe Duderstadt einmal mit anderen Augen.

    Verborgene Winkel, faszinierende Details, die schönsten Sehenswürdigkeiten und Geschichten vergangener Zeiten erleben Sie bei einem geführten Stadtrundgang mit einem der engagierten Stadtführer...

  • Bild
    Erlebnisführung Frauen im Mittelalter

    Aus dem Leben der Maria Zinke

    Eine außergewöhnliche Zeitreise in das verruchte mittelalterliche Duderstadt

    Nehmen Sie teil am Alltag von Maria, der Schwester des Scharfrichters Hans Zinke, im historischen Duderstadt. Dort lebt und arbeitet Maria als Aufseherin der Hübschlerinnen – frei, frivol und...

  • Bild
    Norika Wacker trägt eine FFP2-Maske und hält einen rosa Ballon in der Hand. Sie hat eine rote Clownsnase auf ihrer FFP2-Maske.

    Ausstellung „Maskierte Zeiten“

    Wie haben regionale Kulturschaffende die „Maskierte Zeit“ der Corona-Pandemie erlebt? Dieser Fragestellung gehen die Fotografin Dorothea Heise mit atmosphärischen Portraits und der Journalist Ulrich...