Nachgefragt: Unrecht gesammelt?

Sonderausstellung zum Thema Provenienzforschung

Die Sonderausstellung „Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“ betrachtet das Thema Provenienz- oder Herkunftsforschung in den Museen und Sammlungen Südniedersachsens. Die Provenienzforschung untersucht die Geschichte, Eigentumsverhältnisse und Herkunft von Museumsobjekten, überprüft ihre Echtheit und hinterfragt, unter welchen ethischen und rechtlichen Umständen sie ins Museum gelangt sind. 

Bücher, Wäscheklammern, ein Kleiderbügel – auf den ersten Blick ganz alltägliche Dinge, hinter denen bewegende Geschichten stehen. Denn die Objekte wurden den ursprünglichen Besitzern während des Dritten Reiches unrechtmäßig entzogen – weil sie Jüdinnen und Juden, Freimaurer, Mitglieder der Arbeiterbewegung oder Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren. Doch auch Human Remains aus den ehemaligen deutschen Kolonien sowie ethnologische Objekte, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von Tierfängern im Rahmen des Alfelder Tierhandels mitgebracht wurden, spielen eine Rolle.

Die Ausstellung hebt hervor, dass viele Dinge aus heutiger Sicht unrechtmäßig in unsere Museen gelangt sind. Sie macht vor allem die Menschen sichtbar, die eine persönliche Verbindung zu diesen Objekten hatten. Großformatige Illustrationen der Kasseler Künstlerin Melanie Lüdtke ermöglichen einen emotionalen Zugang zu diesen Personen, von denen wir heute meist nur noch wenige schriftliche Zeugnisse haben.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Juliane Gehler aus dem Team Wissensforschung im Forum Wissen. Die Ausstellung entstand als Kooperationsprojekt des Landschaftsverbands Südniedersachsen e.V. und der Zentralen Kustodie der Universität Göttingen. Sie basiert vorrangig auf den Erkenntnissen aus der Provenienzforschung von Dr. Christian Riemenschneider und Dr. Holger Stoecker.

Im Vorfeld fanden verschiedene Pop-Up-Aktionen in Alfeld, Osterode und Uslar statt. In diesem Rahmen wurde die lokale Bevölkerung befragt, welche Aspekte zum Thema Provenienzforschung sie besonders interessieren. Die dabei gesammelten Fragen bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung.

Vom 12. Dezember 2025 bis 17. Mai 2026 wird die Ausstellung auf der großen Sonderausstellungsfläche im Forum Wissen, Berliner Straße 28, 37073 Göttingen, zu sehen sein. Während der Laufzeit gibt es ein vielfältiges Begleitprogramm. Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Veranstaltungen ist frei.

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Christian Riemenschneider kniet vor einem Grabstein mit hebräischer Inschrift
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Eine Vase, ein Buch, ein Armband, eine Haarlocke. Christian Riemenschneider folgt den Spuren von Objekten, die während der NS- und Kolonialzeit unrechtmäßig in die Bestände von Museen und Archiven...

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Die Ausstellung wurde als Wanderausstellung konzipiert und kann auch in anderen Museen gezeigt werden. Details bitte beim Landschaftsverband Südniedersachsen e. V. erfragen.

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