Der Harz und die an seinem Rand verlaufende Karstregion sind mit Höhlen wahrlich gesegnet. Einige, wie beispielsweise die Jetten- oder Marthahöhle im Hainholz bei Düna, sind für Besucherinnen und Besucher gesperrt und dürfen aus verschiedenen Gründen nicht betreten werden. Andere, wie zum Beispiel die Baumanns- oder Einhornhöhle im Rübeland und Scharzfeld, sind jedoch für die Öffentlichkeit zugänglich und als Ausflugsorte überregional sehr beliebt. Dazu zählt ohne Zweifel auch die Iberger Tropfsteinhöhle in Bad Grund: „Mit ihren mächtigen Bodentropfsteinen, eindrucksvollen Sinterkaskaden und bizarren Deckenkolken bietet sie eine faszinierende Untertagewelt und Höhlenfeeling pur“, so steht es im Führer vom HöhlenErlebnisZentrum (HEZ). Gemeinsam mit dem modernen Museum im Berg ist die 1874 erstmals eröffnete Tropfsteinhöhle das Herzstück vom HEZ. Nahe des Hübichensteins gelegen, ist es ein einzigartiger Ort und bekannt für seine zahlreichen ausgestellten Objekte. Es vereint unter seinem Dach gleich zwei Höhlen – eine ist unter Tage zu besichtigen, die andere über Tage. Doch dazu später mehr.
Der "Hübichsaal" in der Iberger Tropfsteinhöhle des HöhlenErlebnisZentrums im Harz
Das HEZ öffnete erstmals seine Pforten am 10. Juli 2008 in Bad Grund. Einst vom damaligen Landkreis Osterode am Harz gebaut, ist seit dem 1. November 2016 nach erfolgter Kreisfusion der Landkreis Göttingen Träger dieser ganz besonderen Einrichtung. Mit Baubeginn sei die Ausstellungsfläche jedoch von Beginn an zu klein dimensioniert gewesen für die angepeilten 70.000 bis 80.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr. Zudem kämen Besucherströme nicht gleichmäßig verteilt über das Jahr, sondern vor allen Dingen in der Ferienzeit oder an Feiertagen. Spitzen von über 1.000 Gästen am Tag war für die zur Verfügung stehenden Flächen einfach zu viel. Das war der verantwortlichen örtlichen Politik durchaus bewusst. Nur standen damals nicht mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um gleich größer bauen zu können. Man habe sich daher entschlossen, „erst einmal das umzusetzen, was man sich finanziell auch leisten konnte“. Umso schöner, als dann im Frühjahr 2019 ein Förderbescheid der N-Bank über mehrere Millionen Euro durch den damaligen Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Dr. Berend Lindner, überreicht werden konnte. Die Summe war für die bauliche Erweiterung des HEZs und die Aktualisierung der Ausstellung gedacht. Gut angelegtes Geld, denn das HEZ ist nach wie vor ein Besuchermagnet.
In der Tropfsteinhöhle gibt es viel Schönes zu entdecken.
Seit Eröffnung war das Konzept ein voller Erfolg. Ein echter kultureller „Leuchtturm“ mit enormer Strahlkraft für den örtlichen Tourismus, weit über die Harzer Region hinaus. Denn im HEZ kann man gleich zwei Höhlen unter einem Dach erkunden: Zum einen mit speziell geschulten Führern unter Tage die Iberger Tropfsteinhöhle, die schon für sich genommen einen Besuch wert ist. Wer eine Vorliebe für Geologie hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Denn der Iberg ist immerhin 385 Millionen Jahre alt und hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Beim Iberg handelt es sich ursprünglich um ein früheres Korallenriff, in einem warmen Meer verortet, das einst circa an der Stelle war, wo heute die Insel Madagaskar liegt, also gegenüber des afrikanischen Staates Mosambik. Aufgrund der sogenannten Kontinentaldrift bewegte sich das Riff im Laufe der Jahrmillionen zum heutigen Standort in den Harz. Wer lieber mehr die Fantasie spielen lassen möchte, kann in der Höhle unter anderem einen steinernen Wasserfall oder eine Zwergenorgel bestaunen.
Blick ins archäologische Museum zur Lichtensteinhöhle
Zum anderen ist eine weitere Höhle als begehbares Modell nachgebaut: nämlich die Lichtenstein-Höhle, die gar nicht so weit entfernt von Bad Grund im gleichnamigen Lichtenstein bei Dorste zu finden ist. Sie wurde Anfang der 1970er Jahre entdeckt und als ein 3000 Jahre altes Höhlengrab identifiziert. Höhlenforscher entdeckten 1980 einen unbekannten weiteren Teil, in dem sie menschliche Überreste aus der späten Bronzezeit fanden. Erst 2011 kamen die archäologischen Untersuchungen zu ihrem Abschluss. Die gut erhaltenen Knochen ließen auf etwa 60 dort bestattete Menschen schließen. Die um das erste Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung genutzte Höhle gilt deshalb heute als eine der bedeutendsten geschichtlichen Fundstätten in Niedersachsen und gehört zu den wichtigsten bronzezeitlichen Fundstätten in Deutschland. Die gefundenen Knochen stellen den weltweit größten DNA-Pool der Bronzezeit dar und werden für weitere Forschungen benutzt. Aufgrund einer großangelegten Untersuchung ließ sich 2006 durch Wissenschaftler der Göttinger Georg-August-Universität feststellen, dass Nachfahren der dort bestatteten Menschen noch heute im Sösetal zu Hause sind. Mittels DNA-Analyse gelang es, weltweit erstmals Verwandtschaftsstrukturen einer frühgeschichtlichen Menschengruppe zu erfassen. Es ist somit quasi der längste Stammbaum der Welt! Diese Lichtenstein-Höhle ist im HEZ originalgetreu nachgebaut und kann selbst ohne Führer auf eigene Faust über Tage erkundet werden.
Einige Darsteller vom "Theater der Tiefe" schlüpften in die Rollen einer Fledermaus und Entdecker der Tropfsteinhöhle.
Im vergangenen Jahr holte das HöhlenErlebnisZentrum mit der großen Veranstaltung „150+1“ sein großes Jubiläum mit vielen Attraktionen für Familien, Forscher und Höhlen-Fans an einem ganzen August-Wochenende nach. Sogar der Zwergenkönig Hübich gab sich die Ehre in der Tropfsteinhöhle. Überhaupt bietet das HEZ eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Veranstaltungen an. So gibt es zum Beispiel passend zum Valentinstag am 14. Februar die romantische Führung „Liebe geht durch die Höhle“. Am 30. Januar und 6. Februar können alle Entdeckerinnen und Entdecker ab sechs Jahren mit der Bad Grundner Kiepenfrau und dem Harzer Bergmann mit Laternen in der Hand stilecht tief in den Iberg hineinstiefeln. Doch nicht nur das: Das HöhlenErlebnisZentrum ist auch abseits des Tourismus tätig und sehr rührig. So wurde erst kürzlich eine Partnerschaft mit der Osteroder Wartbergschule auf den Weg gebracht. Es ist die dritte schulische Partnerschaft des HEZs nach der Oberschule in Badenhausen und dem Tilman-Riemenschneider-Gymnasium in Osterode.
Die Bad Grundner Kiepenfrau lädt zur Laternenreise ein.
Um alle Sehenswürdigkeiten und Attraktionen zu entdecken, die über das Jahr verteilt für verschiedene Klientel angeboten werden, empfiehlt sich unbedingt ein Besuch der Homepage des HEZs unter www.hoehlen-erlebnis-zentrum.de.
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Im Artikel genannt
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HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle
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