„Gemeinsam sind wir stärker“ – das ist die Idee hinter „DOMINO e.V.“, dem Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendtheaterkultur im Raum Göttingen". Vor 35 Jahren wurde er ins Leben gerufen und sorgt für guten Zusammenhalt in der Szene. Das soll in diesem Jahr mit einem großen Jubiläumsfest am 27. Juni in der Musa gefeiert werden.
13 Theater und Einzelmitglieder sowie die beiden Kooperationsprojekte „Clapp & Buchfink“ und das „Theater im Winkel“ mit Norika Wacker und Nik Lucht gehören zum Dachverein Domino. Der Verband habe im Laufe seines Bestehens kontinuierlich Auftrittsreihen in städtischen und ländlichen Gebieten organisiert, Festivals durchgeführt sowie zahlreiche theaterpädagogische Programme initiiert, heißt es. Die Vernetzung der Künstler untereinander, der Informationsaustausch und die Beratung in Antrags- und Abrechnungsfragen seien Teil der Arbeit.
Christoph Buchfink mit Puppen aus seinen Stücken
„Wir haben uns damals gegründet, damit wir nicht in Konkurrenz stehen“, sagt einer der drei Vorsitzenden, Christoph Buchfink. Die Beteiligten sprächen ihre Vorhaben ab, um nicht in den Wettbewerb miteinander zu treten. Auch um Zuschüsse und die Anträge dafür könne man sich als Verein kümmern. Nur über den Verein könnten freie Gruppen Fördermittel beantragen. Zu den Förderern gehören die Stadt Göttingen, der Landschaftsverband Südniedersachsen, der Landkreis Göttingen und projektbezogen die Kulturstiftung der Stadt Göttingen, Kunst e.V. sowie die AKB-Stiftung für den Landkreis Northeim und die Kulturstiftung des Landkreises Holzminden. 30 Aufführungen in Schulen oder Kindertagesstätten, Kinder- und Jugendbüros, Familien- und Dorfzentren, Kirchengemeinden, bei freien Veranstaltern oder Kultureinrichtungen könnten dank dieser Unterstützung gefördert werden. „Wir könnten locker die doppelte Menge schaffen“, sagt Buchfink.
Als Vorsitzende wirken Christoph Buchfink, Dorothea Derben und Katharina Pecher. Die drei wissen, dass sie nicht alles allein machen können. So ist Nik Lucht mittlerweile als Beisitzer dabei und will sich gern mehr für den Verein engagieren. Alle, die Zeit und Lust hätten, brächten sich in die Vereinsarbeit ein, meint Buchfink. Eine große Erleichterung: Seit 2019 kümmert sich Elke Schwarz als „administrative Mini-Geschäftsführung“, so im Scherz, um die umfangreiche Organisationsarbeit.
Dorothea Derben mit Bildern aus dem Stück „Child survivors“ über Überlebende vom Holocaust
In der Auftrittsreihe „Theater des Monats“ werden vierteljährlich Theaterstücke angeboten, die für Kinder und Jugendliche passen. In der Reihe werden drei- bis viermal im Jahr jeweils fünf Vorstellungen für verschiedene Altersgruppen zusammengestellt. So steht für dieses Frühjahr mit „Bum und der Zirkus“ von Hannes Lülf eine Vorstellung für Kinder ab drei Jahren genauso auf dem Plan wie „Child Survivors“ von der Theaterwerkstatt Göttingen. In dem dokumentarischen Schauspiel geht es um zehn Kinder, die das KZ Bergen-Belsen überlebt haben. Damit richtet es sich an Heranwachsende ab dem Alter von 14 Jahren.
Die verschiedenen Aufführungen können zu fest angesetzten Terminen im Kino Lumière, im Jungen Theater oder in anderen Spielmöglichkeiten wie dem Familienzentrum Rosdorf besucht werden. Es ist auch möglich, sie für den eigenen Standort, sei es Schule oder Kindertagesstätte, zu buchen. „Wir sind mobil“, betont Christoph Buchfink und kommt über eine seiner Puppen ins Schwärmen. Faun Alwin aus „Lilas Faunentraum“ sei eine seiner Lieblingsfiguren. Das Stück über Einsamkeit, Träume und Lebensmut hatte schon vor 34 Jahren Premiere, Alwin sei seine älteste Figur. Wenn er wisse, dass ein bestimmter Fan unter den Zuschauenden sein werde, nehme er Alwin gerne mit, weil besagte Person den roten Faun immer sehen wolle. Mit allem, was sie für ihre Aufführungen benötigten, von der technischen Ausstattung bis hin zu den Requisiten tourten Clowns, Akrobaten oder Puppenspieler durch Südniedersachsen. „Wir sind komplett autark“, bekräftigt Buchfink.
„Die Rollende Stadt“ ist eine mobile Bühne für drinnen und draußen für das gleichnahmige Stück von Christoph Buchfink.
Dennoch – mit einer zentral gelegenen Aufführungsmöglichkeit vor Ort für etwa 100 bis 150 Menschen würde sich ein Wunsch des Vereins erfüllen. Für eine Stadt wie Göttingen wäre eine Veranstaltungsstätte für Kinder- und Jugendtheater gut, meinen die Domino-Vorstandsmitglieder. Dann könne sich diese Sparte des Theaters in ihrer gesamten Vielfalt besser entwickeln. Bislang biete das Lumière einen guten Kompromiss, allerdings sei die Bühne dort für viele Produktionen zu klein – es sei eben ein Kino und kein Theater. Gut wäre eine komplette Licht- und Tontechnik. Das würde den Künstlern viel Zeitersparnis beim Auf- und Abbau bringen. Insbesondere für kreativen Nachwuchs sei es oft ein Problem, alles selbst zu machen. Wenn jemand in seiner Schulzeit die Theatergruppe geleitet hätte, sei das noch keine Garantie, dass er wisse, was in einer freien Gruppe gefragt sei, erklärt Buchfink. Dort gelte es, Anträge für Förderung zu stellen, ein passendes Fahrzeug zu beschaffen und gute Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Ausdauer und Leidenschaft seien unabdingbar, gibt Nik Lucht die Worte eines Kollegen wieder.
Immerhin: Im Hagenweg 2a verfügt der Verein nicht nur über ein Büro, sondern hat seit 1998 dort auch eine Probebühne. Der Domino Theaterclub für derzeit sechs Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren zum Beispiel arbeitet dort an einem ukrainischen Stück – „Waldlied“ von Lessja Ukrainska. Geprobt wird an zwei Samstagen im Monat. Ein Aufführungstermin steht laut Leiterin Derben allerdings noch nicht im Kalender.
Was steht, ist der Termin für das 14. Familientheaterfest Sommerbrise. Die Planung läuft für Sonntag, 23. August, von 12 bis 18 Uhr auf dem Thieplatz und in der St. Martinskirche in Göttingen-Geismar. Ein Jahr dauere die Planung, nach einem Festtag sei alles vorbei, fasst Nik Lucht den Aufwand in Worte. Angekündigt wird ein vielseitiges Programm aus Theateraufführungen, Walk-Acts, sowie Spiel- und Bastelaktionen. Ob wie im vergangenen Jahr wieder ein Gaukler durchs Programm führt?
Nik Lucht, Dorothea Derben und Christoph Buchfink (v.l.) mit Puppen
Um Feste, Projekte, Aufführungsreihen und vieles mehr vernünftig zu planen, trifft sich der Vorstand einmal im Monat. Mitmacher seien herzlich willkommen. „Wir sind permanent im Austausch“, sagen die Vorstandsmitglieder. Extrem wichtig sei die Vereinsarbeit insbesondere in der Corona-Zeit gewesen. Immer wieder hätten die ausgebremsten Künstler gefragt: Wie bekomme ich Fördermittel? Wie gehe ich in der Schule mit den geforderten Abständen um? Muss ich mich impfen lassen, um dort aufzutreten? Alle Informationen zu möglicher Unterstützung seien Überlebenshilfe gewesen. Dorothea Derben erzählt von einer Kinder und Jugendtheater-AG, die damals online abgehalten wurde. Nik Lucht berichtet, dass er in dieser Zeit das „Theater im Winkel“ für Schauspiel, Musik und Clownerie mit Norika Wacker gegründet habe.
Seit den 1970er und -80er Jahren habe es eine Revolution im Kinder- und Jugendtheater gegeben, beschreibt Dorothea Derben. „Wir gehen an die Wirklichkeit der Kinder“, hieß es von da an. Passé war das Ziel, nur zu unterhalten. Viele Kinder könnten in der Schule keine zehn Minuten lang zuhören. Im Figurentheater gelinge es oft, sie eine Stunde lang komplett zu bannen. Momente, die in Erinnerung blieben.
Das Jubiläum zu 35 Jahren DOMINO e.V. soll am 27.6.2026 ab 15 Uhr mit einem bunten Programm in der Musa gefeiert werden.
Die nächste Aufführung im Rahmen der Reihe „Theater des Monats“ findet am Sonntag den 15.03.2026 um 11 Uhr im Kinotheater Lumière statt. Das „Theater im Winkel“ zeigt das Stück „Der Mittwochs-Dschinn“.
Fokus
Im Artikel genannt
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DOMINO e.V.
Kinder- und Jugendtheaterkultur im Raum Göttingen
Andy Clapp
Comedian, Zauberer, Entertainer
Nik J. Lucht
Schauspiel, Gaukelei und Performance
Norika Wacker
Clownsfrau, Regisseurin, Coach
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