In ihrem Gedicht „Chor der Tröster“ hat die deutsch-jüdische Autorin Nelly Sachs 1947 im schwedischen Exil die Frage gestellt: „Wer von uns darf trösten?“ Ihre Antwort: Niemand. Der Genozid an den Jüdinnen und Juden sei eine Wunde, die offen bleiben soll. Während Sachs und viele andere Überlebende ihrer Untröstlichkeit ob des Genozids literarische Denkmäler gesetzt haben, haben viele Häftlinge in den nationalsozialistischen Vernichtungsstätten einander bis in die letzten Atemzüge zu trösten versucht. Wie lässt sich diese Spannung zwischen einem Bedürfnis nach Trost und dem Beharren auf Untröstlichkeit verstehen?
An dem Abend wollen wir Gedichte und Zeugnisse lesen, die von Trost und Untröstlichkeit im Angesicht der Shoah berichten, und danach fragen, welche Praktiken des Trostes und der Untröstlichkeit sie portraitieren, was diese Praktiken über die Vermögen des Menschen verraten und wann Tröstungsversuche politisch problematisch sind.
Veranstaltet von Amnesty International, Stadtgruppe Göttingen.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus - Eine Veranstaltungsreihe in Göttingen".
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